Die Freiheitlichen

Immersion und gemischtsprachige Schulen
Freitag, 19. Juni 2009 um 11:46 Uhr

5_katrin-mall_fp_63Immer wieder aufs Neue entflammt die Diskussion um mehrsprachige Schulen oder Immersionsunterricht. Der Anstoß hierfür bleibt meist derselbe. Ein Wissenschaftler zieht durch unser Land und bringt die neuesten Erkenntnisse zum Fremdsprachenerwerb mit.

Gewiss, keiner kann leugnen, dass es sinnvoll ist, wenn man zwei oder mehr Sprachen beherrscht; wenn man sich in Italienisch und Englisch verständigen kann. Dabei wird jedoch vergessen, dass immer weniger Kinder die deutsche Sprache korrekt erlernen und große Schwierigkeiten mit dieser haben. Die deutsche Sprache, die doch hoffentlich DER Ausgangspunkt für die Vermittlung unserer Kultur ist und weiterhin sein muss.

Wir beginnen uns selbst zu verleugnen, wenn uns nicht bewusst wird, dass die Achtung und Verteidigung der deutschen Sprache und somit auch unserer Kultur jene Komponenten sind, die uns als Volksgruppe in einem fremden Staat überleben ließen. Wie Menschen auch ihr Leben lassen mussten, weil sie genau für diese Ideale eingestanden sind.

Im Grunde ist man nicht mehr weit davon entfernt alles zu verwässern. Wie jene Politikerin Biancofiore, die es anscheinend gutheißen würde, dass „gemischte“ Fahnen an den verschiedenen Fest – und Feiertagen ausgehängt werden. Tiroler Fahnen und die Tricolore am gleichen Fenster.

Wissenschaftler sehen nur Fakten – die auch kritisch hinterfragt werden könnten, denn jede wissenschaftliche Theorie hat auch eine Gegentheorie – und kümmern sich nicht um Geschichte oder Identität.

Es gibt auch wissenschaftliche Studien die belegen, dass Kinder, die mit mehreren Sprachen aufwachsen, leichter und häufiger stottern. Und eine zweite und dritte Sprache sollte erst dann erlernt werden, wenn die Muttersprache gefestigt ist.

Die unübersehbaren Folgen der Globalisierung und der schleichende Beginn der Assimilierung, sowie die Angst vieler Menschen, zu ihren deutschen Wurzeln zu stehen und stolz darauf zu sein, sind zu einer Gefahr in unserer Heimat geworden. Wir sind dabei uns aufzugeben. Im Sinne einer immer stärker werdenden Gleichgültigkeit einerseits und dem Druck nach „unbedingten Erneuerungen“ andererseits.

Das Land Südtirol braucht keine gemischtsprachigen Schulen und keinen Immersionsunterricht. Die Damen und Herrn Politiker sollten sich die Mühe nehmen und Aufsätze oder Arbeiten von Schülern jeder Schulstufe zu lesen; und zwar landesweit. Ich bin überzeugt, dass viele ihre Meinung ändern würden.

Der Vergleich mit den Ladinern hinkt auch nach. Gerade weil sie ihre Sprache „beschützen“, haben sie als Volksgruppe überlebt. Und wie sollte nach Meinung der „Experten“ Immersionsunterricht stattfinden? Sollen die Inhalte in Geschichte und Geographie in italienischer Sprache vermittelt werden?

Traurig, wenn unsere Kinder die Geschichte ihres Landes so kennenlernen müssten. Sprache ist und bleibt identitätsbestimmend und deshalb eines der wichtigsten Werte, die es zu verteidigen gilt.


Dr. Katrin Mall
F-Schulsprecherin

Kommentare (5)add comment

Puschtra schrieb:

@Dr. Katrin Mall
Sehr geehrte Frau Dr. Katrin Mall,
"Wissenschaftler sehen nur Fakten – die auch kritisch hinterfragt werden könnten, denn jede wissenschaftliche Theorie hat auch eine Gegentheorie"
Diese Aussage ist wohl sehr widersprüchlich. z.B. 1+1= 2, das ist Fakt, unumstößlich, und eine Theorie ist nun mal eine Theorie...

"Es gibt auch wissenschaftliche Studien die belegen, dass Kinder, die mit mehreren Sprachen aufwachsen, leichter und häufiger stottern."
Es gibt sicher auch Studien die das Gegenteilige beweisen, wie Sie ja selbst sagen... Ich glaube eher es gibt Schüler die besser, oder schlechter damit zurechtkommen, gleich wie einer besser in Sport ist, als der andere.

"Das Land Südtirol braucht keine gemischtsprachigen Schulen und keinen Immersionsunterricht."
Das gibt es doch schon lange, wenn auch nicht offiziell. Zu meiner Schulzeit in Bozen, und so lange ist das noch nicht her, gab es viele Mitschüler aus gemischtsprachigen Familien oder auch aus Ladinien, die alle Sprachen gut konnten, in Wort und Schrift. Und wer hat im Englisch- oder Italienischunterricht nicht auch etwas über Geografie oder Geschichte gelernt?

"Der Vergleich mit den Ladinern hinkt auch nach. Gerade weil sie ihre Sprache „beschützen“, haben sie als Volksgruppe überlebt."
Machen wir das nicht? Sehe da keinen Unterschied zum südtiroler Dialekt. Sprache befindet sich immer im Wandel, wer würde heute noch einen Hutterer verstehen, die immer noch die Sprache unserer Vorfahren sprechen? Ihre Sprache hat sich kaum verändert, aber nur weil sie sich von der Aussenwelt abgeschottet haben. Und das wollen wir doch nicht. Gelernt und gelebt wird die Sprache, die zu Hause in der Familie gesprochen wird.
Ich weiß nicht, ob es unbedingt Geschichts- oder Geografieunterricht in anderen Sprachen und das schon von Kindesalter an braucht, aber ich persönlich wäre heute froh, wenn ich einige Fachbegriffe, die man im "normalen" Italienischunterricht nicht lernt, in meinen damaligen Hauptfächern gelehrt bekommen hätte, und nebenbei gesagt, wenn ich wiedermal in Bozen bin, kennt jeder immer noch, daß i a Puschtra bin. Das sind auch Fakten, ohne Gegentheorie, unumstößlich...
19. Juni 2009

Irgend ein Name schrieb:

@ Katrin Mall
Mir selbst ist aufgefallen, dass ich gerade dadurch, dass ich mehrere Sprachen gelernt habe, sich meine Grammatik in Deutsch verbessert hat. Ich denke das Problem, dass viele südtiroler Schüler Probleme mit Deutsch haben liegt wirklich nicht an den anderen Sprachen sondern, dass man einfach unsern Dialekt gewöhnt ist. Gerade die Patrioten und deren Kinder können meistens am wenigsten Hochdeutsch.
20. Juni 2009

ein blauer schrieb:

deutschkenntnisse

ich will hier mal die these wagen, dass es keine gross angelegte studie braucht, um festzustellen, dass die deutschkenntnisse (hochsprache und nicht südbairischer dialekt!) so mancher südtiroler ausgesprochen bescheiden sind. ob das durch einen wie auch immer gearteten intensiveren bzw. früheren italienisch-unterricht besser wird, wage ich zu bezweifeln.


ein blauer
20. Juni 2009

Kuno schrieb:

...
Es wäre wünschenswert wenn unsere Kinder erst einmal ordentlich deutsch lernen und dann italienisch und englisch!

Ps: Als Kind in der Schule interessierte mich italienisch überhaubt nicht, im Beruf dann lernte ich perfekt italienisch da in unserem Betrieb ein Italiener (geb. vor 43 Jahren in Südtirol) arbeitet und der leider noch immer nicht deutsch kann. Soviel zu Thema die Sprache und Kultur der anderen Volksgruppe respektieren..
20. Juni 2009

Harald schrieb:

Frage
Mich würde mal etwas interessieren, ich bin ja auch der Meinung dass es nur ein Vorteil ist 1 bis 2 Fremdsprachen zu beherrschen, jedoch gilt dies auch für die Italiener hier in Südtirol? Es wird dauernd diskutiert daß in den deutschen Schulen nun Fächer in italienisch unterrichtet werden sollen mit der Begründung, daß die Schüler dadurch besser italienisch lernen. Und was ist mit den italienischen Schulen?? Werden auch dort dann einzelne Fächer in deutsch unterrichtet? Ich kenne so viele Italiener bei uns hier, welche seit mehr als 20 Jahren hier leben und kaum ein Wort deutsch sprechen und die auch kein Interesse dafür haben, weil sie ihrer Meinung nach ja auch in Italien leben. Unsere Vorfahren mußten dafür kämpfen in der Schule deutsch zu lernen und wir werfen nun dieses hart erkämpfte Recht einfach so weg, denn eines ist sicher, es fängt jetzt mit 1 Fach in der Oberschule an, bald sind es 2, dann 3 ...... und dann haben wir die selbe Geschichte wie das Aostatal und unsere Kinder können deren Kinder mal erzählen: Früher hat man bei uns hier deutsch gesprochen ......
22. Juni 2009

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