Die Freiheitlichen

Wird das Etschtal zum Tal der Gewerbezonen?
Montag, 23. Januar 2012 um 11:43 Uhr

p1000010Sollen an allen MeBo-Ausfahrten große Gewerbezonen entstehen wie nun in Vilpian geplant?
Wo bleibt ein übergemeindliches und koordiniertes Vorgehen in Sachen Ausweisungen von Gewerbezonen? Wo bleibt der Landschaftsschutz? Wo der sparsame Umgang mit Kulturgrund?


Südtirol hat eine besondere geografische Situation:

42% unserer Heimat sind Wald
28% Almen und Wiesen
17% Berge und Gletscher
  7% Landwirtschaft
2,85% sind besiedelt
3,15% sind besiedelbar


Das zeigt uns, dass wir in der Baupolitik mit äußerster Vorsicht handeln müssen, denn wir haben wenig Raum, den wir für Bauten nutzen können: das gilt für Wohnraum gleich wie für Gewerbegebiete.

Um richtig zu handeln muss die künftige Verbauungspolitik über die „Kirchturmgrenzen“ hinweg bedacht und geplant werden. Das gilt besonders für Gewerbegebiete und hier muss man ein besonderes Augenmerk auf das Etschtal legen.

Das Etschtal ist ein sehr enges Tal zwischen Bozen und Meran und hat als Verbindungsstraße die Schnellstraße MeBo. Diese wiederum ist an die Autobahn angebunden, das bedeutet, dass das Tal verkehrstechnisch perfekt ausgestattet ist. Die Schnellstraße MeBo wurde 1997 eröffnet, um die Dörfer des Etschtales vom großen Durchzugsverkehr zu entlasten, was auch gelungen ist.  Sie ist heute mit durchschnittlich 36.000 Fahrzeugen pro Tag die am stärksten genutzte Straße Südtirols.

14 Jahre nach der Eröffnung der MeBo stellt man fest, dass immer mehr Gemeinden ihre Gewerbegebiete an die jeweiligen MeBo-Ausfahrten verlegen bzw. dort planen. So denke man an das große Gewerbegebiet von Lana oder an ein (heute noch) kleines bei der Ausfahrt von Vilpian/Nals. Dieses letztere soll nun vergrößert und dann eine Fläche von über 6 ha haben! Das heißt ganz klar: wenn wir in den ersten 14 Jahren der MeBo zwei große Gewerbegebiete ausgewiesen haben, so werden wir bis zum Jahr 2027 – nämlich dann, wenn die MeBo 30 Jahre alt wird - sicherlich an allen Ausfahrten Gewerbegebiete vorfinden! Das Etschtal mit seiner Schnellstraße wird sich zum begehrtesten „Gewerbezonen-Tal“ Südtirols  entwickeln, sollte es ohne Einschränkungen so weitergehen!


Folgen für das Etschtal:

  • die derzeit noch vorhandene Schönheit des Tales wird für immer verlorengehen und das Tal wird auch nicht mehr wegen seiner Obstblüte im Frühjahr bekannt sein, sondern dass man entlang der MeBo nur mehr Verbauung sieht.
  • das Wandern an den beiden Berghängen des Tales wird in die Bedeutungslosigkeit schrumpfen, da die Aussicht keine Freude mehr sein wird. Dies gilt für Gäste, als auch für Einheimische! Gewerbezonen sind von der Architektur her wahrlich keine Schönheiten. Somit wird ein verbautes Tal die Lebensqualität der Etschtaler einschränken.
  • Die Kurstadt Meran mit Schenna und Dorf Tirol, welche heute große und wichtige Tourismusdestinationen Südtirols sind und das Zentrum des Burggrafenamtes darstellen, riskieren an Reiz zu verlieren, da bei uns die Gäste keine massenhaften Zersiedelungen und Verbauungen suchen, sondern genau das Gegenteil vorfinden wollen. Ein verbautes Etschtal wird touristisch uninteressant. Nicht nur ein Tourismusort, sondern auch eine Fahrt zu einer Tourismusdestination muss dem Gast gefallen.


Maßnahmen im Etschtal und prinzipiell:

  • Die Landschaft Südtirols ist unser WIRTSCHAFTSKAPITAL Nummer eins, welches es zu erhalten gilt! Dem Landschaftsschutz muss in Zukunft größere Bedeutung und Wichtigkeit gegeben werden.
  • Bevor man einfach nur neue Gewerbegebiete ausweist, müssen leerstehende Hallen genutzt werden.
  • Nicht jede Gemeinde darf im Etschtal und auch sonst nur mehr an ihren eigenen Kirchturm denken. Gewerbegebiete müssen in Zukunft übergemeindlich errichtet werden. Die Gemeinden dürfen nicht mehr nur an die eigene Gemeindekasse bei der Ausweisung von Gewerbegebieten denken.
  • Durch übergemeindliche Gewerbegebiete spart man wertvollen Kulturgrund und verhindert die massive Zersiedelung unserer Täler.
  • Durch übergemeindliche und koordinierte Gewerbegebiete  bleibt die Schönheit unserer Täler bestehen und das ist wichtig für unseren Tourismus. Ein starker Tourismus braucht in Südtirol eine schöne Landschaft!
  • Auch muss verstärkt auf die Baukultur bei Gewerbegebieten geschaut werden. Diese sollte sich in die Landschaft einfügen.


Wo bleibt der von Landesrat Thomas Widmann angekündigte „Standortentwicklungsplan Südtirol STEP“?:

Dieser Plan würde ein koordiniertes Vorgehen unter den Gemeinden bei der Ausweisung von Gewerbegrund vorsehen. Anfang 2010 wurde dieser Plan von Landesrat Thomas Widmann angekündigt und es ist dies ein gemeinsames Projekt des Landes Südtirol mit dem Südtiroler Gemeindenverband und wird von der BLS betreut. Wenn man das Etschtal betrachtet, so erkennt man die Dringlichkeit dieses Standortentwicklungsplanes. Der „STEP“ muss nun schnellstens vorgelegt werden! Eine Landtagsanfrage soll diesbezüglich Klärung bringen.


Haben nicht das Recht, gegenüber den künftigen Generationen kopflos und egoistisch zu sein!

Die heutigen Politiker in den Rathäusern und im Landtag haben nicht das Recht, die geringe noch besiedelbare Fläche unseres Landes kopflos und egoistisch zu verbauen. Wir sind verpflichtet, unseren Nachkommen ein Land weiterzugeben, welches weiterhin eine große Lebensqualität beinhaltet und ein Grundstock auch für ihren Wohlstand ist! Der Spagat zwischen Gewerbegebieten und sparsamen Umgang mit Kulturgrund muss und kann gefunden werden.


L. Abg. Sigmar Stocker

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