Die Freiheitlichen

Die Autonomie hält nicht das, was die SVP verspricht
Montag, 26. Juli 2010 um 13:33 Uhr

6_michael-demanega_fp_63Kaum zu glauben, mit welcher Präpotenz Rom im Schilderstreit auf Südtirol einwirkt. Plötzlich ist die Zweisprachigkeit für die Regierung das Um und Auf. Merkwürdig nur, dass man diese Zweisprachigkeit in weit wichtigeren Bereichen (Polizei, Medikamente,...) nicht durchzusetzen will. Fakt ist: In diesem Konflikt geht es nicht einmal ansatzweise um die Zweisprachigkeit! Die entsprechende Argumentation ist fadenscheinig und suspekt ("Italienische Touristen könnten sich verirren"). Effektiv geht es um einen klar und deutlich ausgedrückten Machtanspruch Italiens, es geht darum, Südtirol einen gemischtsprachigen Stempel aufzudrücken und um die unmissverständliche Botschaft an alle Welt:


 "Dieses Land ist Italien und bleibt Italien"! Die Strategie ist alt: Die vermeintliche Gemischtsprachigkeit Südtirols war seit Tolomei italienisch-nationalistische Strategie, die dem langfristigen Ziel dient, dieses Land zu italianisieren. Darum geht es auch und vor allem den erfundenen und erlogenen Ortsnamen: Eine "Gemischtsprachigkeit" vortäuschen, wo es sie nicht gibt, somit deutschen und ladinischen Gegenden eine italienische Identität aufdrücken. 


Mit Lügen bestraft wird zurzeit die Haltung der SVP, die die Autonomie maßlos überschätzt ("die weltbeste Autonomie") und immer wieder davon ausgeht, wir könnten uns jederzeit von Italien verabschieden, vor allem dann, wenn es "opportun" erscheint. Nur: Dann wird es irgendwann einmal zu spät sein! Wenn wir diesen Prozess der Sezession nicht schleunigst und in absehbarer Zeit vollziehen, wird die Mehrheit kein Verständnis mehr dafür haben, weil sie sich immer mehr mit Italien identifiziert.


Zuletzt noch ein Wort zu Reinhold Messner, der "ethnische Konflikte" erkennen will: Diese Konflikte sind absurd! Genauso absurd, wie die vor über einem Jahr durch Steger und Theiner heraufbeschworene "Zündelei". Damals wie heute ging es um einen politischen Konflikt mit Rom und nicht um einen ethnischen Konflikt. Denn Platter und Freund Franco Frattini wollten auch in Zukunft noch gemeinsam Ski fahren und die enge Freundschaft zwischen ÖVP und dem italienischen Regierungshaus aufrechterhalten. Die SVP sollte das Verhältnis zur ÖVP und die Mitgliedschaft in einer EU-Fraktion, in der sie zusammen mit dem PDL sitzt, endlich einmal überdenken. Übrigens: Was hält Herbert Dorfmann von der ganzen Sache? Darf er sich gegen seine Fraktionskollegen zu Wort melden? Erlaubt es die Fraktionsdisziplin?


Michael Demanega

Freiheitlicher Landesjugendsprecher

Kommentare (9)add comment

Armin schrieb:

...
Wenn die Toponomastik ein politisches Problem ist, dann wird es in Südtirol zu einem ethnischen Problem. Es ist halt mal so, dass man den eigenen Namen große Symbolkraft zuspricht und diese unmittelbarer Ausdruck der eigenen Kultur und Sprache, der eigenen Identität und der eigenen Geschichte sind.

Abgesehen davon ist die Toponomastik aber nach wie vor eine kultur-historische Angelegenheit. Sie ist sozusagen eine wissenschaftliche Angelegenheit und keine politische. Man möge dazu mal die Bände von Dr. Egon Kühebacher über unsere Orts- und Flurnamen in Hände nehmen und seinen eigenen Heimatort nachschlagen. Namen sind nach sprachwissenschaftlicher Auffassung n i c h t übersetzbar, alles andere ist ein Zugeständnis an künstliche Erfindungen.
26. Juli 2010

Michael Demanega schrieb:

Ethnische Konflikte
Ich frage mich halt immer wieder: Wo sind diese ethnischen Konflikte? Als jemand, der in Salurn wohnt, also in einem Dorf, das zu zwei Dritteln italienisch ist, sind mir diese Konflikte weitgehend unbekannt. Für mich sind diese „ethnischen Konflikte“ in erster Linie politisch konstruiert: Sie sind eine praktische Androhung all jener, die keine Diskussion über Selbstbestimmung, Freistaat, Identität zulassen wollen und die unter dem viel zitierten „friedlichen Zusammenleben“ einen faulen Kompromiss meinen, der immer auf Kosten der Mehrheit der Südtiroler geht!

Dann frage ich mich auch noch: Für wie blöd verkaufen uns eigentlich Achammer, Theiner, Widmann & Co.? Ich denke dabei an das ganze Geschwätz von wegen Europa: Europa sei die Zukunft, Staatsgrenzen würden heute absolut keine Rolle mehr spielen, die Europaregion Tirol sei längst schon Realität. In diesem Geschwätz gehen Anspruch und Wirklichkeit diametral auseinander, was sich nicht zuletzt im aktuellen Schilderstreit zeigt. Da können die Strategen in der SVP und JG noch so lange das Gegenteil behaupten: Nach wie vor führt kein Weg an Grenzverschiebungen vorbei! Und das wird sich nicht so schnell ändern, denn Staaten wie Italien oder Frankreich werden niemals auf ihre Macht verzichten!
27. Juli 2010

Schneider schrieb:

@Demanega
Demanega:"Ich frage mich halt immer wieder: Wo sind diese ethnischen Konflikte?"
Dann verstehe ich nicht, warum es eine Schilderfrage gibt, warum es in Bozen Bars gibt ,wo man sich als deutschsprachiger Südtiroler besser nicht blicken lässt,warum zu Fasching deutsch- und italienischsprachige prügelt durch Bozen ziehen und warum sich Leute bei einem Sieg der ital. Nationalmannschaft so deneben aufführen? Das Internetvideo kennt man ja.
Also die etnnischen Konflikte sind sicher nicht nur politisch konstruiert.
27. Juli 2010

Michael Demanega schrieb:

Freistaat Südtirol
Klar gibt es Probleme, das will auch niemand bestreiten. Aber mit diesen Problemen verhält es sich ziemlich anders, als uns Steger und Theiner mit ihrer populistischen Angst- und Panikmache vormachen wollen. Die angeführten Probleme stehen wohl eher nicht in direktem Zusammenhang mit der Toponomastik- und Freistaat-Diskussion, sondern liegen tiefer begraben. Bedenkt man zudem, dass gar einige Italiener in Südtirol mit der Freistaats-Idee leben könnten, dann stellt sich all das, was Steger und Theiner ständig von sich geben, ziemlich in Frage. Man muss in diesem Zusammenhang natürlich auch bedenken, dass Steger gerne mit den italienischen Rechten in Bozen zusammenarbeiten möchte und dass diese Zusammenarbeit durch derartige Diskussionen natürlich erschwert wird. Um Steger tut's mir deshalb auch ziemlich "leid" ;-)

Aber wo es schon um ethnische Konflikte und ums Zusammenleben geht, sollten wir auch bedenken, dass wir im letzten Jahr Diskussionsrunden zum ethnischen Zusammenleben in Südtirol mit Minister Maroni erlebt haben. Was kam am Ende heraus? Gar nichts! Und liegt's alleine an Maroni? Wohl eher nicht! Ich erinnere mich nur all zu gut daran, dass man diese Diskussionen vonseiten der SVP dazu missbrauchte, um über Posten und Sessel zu diskutieren. Wer sich tatsächlich um das ethnische Zusammenleben in Südtirol sorgt, der sollte das Problem endlich einmal tiefgründiger analysieren und Parteipolitik und Postenschacher außen vor lassen. Auch bei den populistischen "Zusammenhalten"-Parolen der Volkspartei, die vor jeder Wahl konstruiert werden und bei denen es ausschließlich um Parteipolitik und Machterhalt geht. Der Freistaat würde uns effektiv weiter bringen! Aber eine klare und nachhaltige Lösung will man offensichtlich nicht. Die Hintergründe sind klar.
27. Juli 2010

Schneider schrieb:

@Demanega
Einmal schreiben Sie die Probleme gibt es nicht, jetzt schreiben Sie es gibt sie doch, und die Schuld haben nur Theiner und Steger, was denn nun? Glaubt man allen ernstens, dass sich bei einer Abspaltung (eigener Staat oder Rückkehr zu Österreich) die Probleme die ich aufgezäht habe, sich in Luft auflösen? Kärnten ist auch bei Österreich und die haben auch ihre liebe Not mit den Ortsschildern. Es muss schon bei jedem einzelnen anfangen, deutsch- und italienischsprachigen Südtirolern.
Nebenbei gesagt, muss der Begriff Freistaat mal genauer definiert werden, Bayern ist auch ein Freistaat mit weniger Kompetenzen der Selbstverwaltung als Südtirol und gehört meines Wissens immer noch zu Deutschland.
27. Juli 2010

Armin schrieb:

...
"Man muss in diesem Zusammenhang natürlich auch bedenken, dass Steger gerne mit den italienischen Rechten in Bozen zusammenarbeiten möchte und dass diese Zusammenarbeit durch derartige Diskussionen natürlich erschwert wird. Um Steger tut's mir deshalb auch ziemlich "leid" ;-)" (Demanega)

Und genau diese Rechten, Herr Demanega, sind diejenigen, die den Einflüsterern aus Rom Gewehr bei Fuß stehen und ihre nationalistischen Machtansprüche in Südtirol umzusetzen versuchen.

Ich bitte um Erklärung: Post-faschistische Kräfte müsste man also im Sinne einer Freistaat-Lösung auf Biegen und Brechen integrieren, in der Hoffnung, dass sie sich bessern. Genau dieses Denkmuster haben Sie bereits in der Causa Davide Orfino an den Tag gelegt.

Herr Demanega, wenn sich Italiener in Südtirol für eine Freistaat-Lösung begeistern können, dann werden es wohl eher die autonomie-freundlichen Kräfte sein, und die finden Sie sicher nicht in den Reihen des PdL. Oder glauben Sie wirklich, dass der PdL, nur weil er im EP in der Fraktion der Konservativen sitzt, diesen Ansprüchen genüge tut?
27. Juli 2010

Michael Demanega schrieb:

Freistaat Südtirol
@Schneider: Ich habe gesagt, dass es jene Konflikte, die Theiner, Steger und Messner meinen, so nicht gibt und dabei bleibt es für mich auch. Dass es Probleme gibt, steht außer Frage und die gibt es auch mit deutschen Südtirolern, die sich mit Italien identifizieren. Ich glaube sehr wohl, dass sich eine "Siamo-in-Italia"-Mentalität durch die Festlegung auf ein gemeinsames Ziel von selbst auflösen kann und damit auch unzählige Probleme, die damit zusammenhängen. Das hat die Autonomie bis dato nicht zusammengebracht. Zu dem Bayern-Vergleich: Wir haben den Freistaat immer als unabhängigen Staat verstanden und im Gegensatz zu Tommy Widmann nicht Bayern zum Ziel erklärt. Es ist nicht unser Problem, wenn sich Bayern "Freistaat" nennt, aber kein Freistaat ist. Vielleicht sollten Sie sich vorerst einmal mit der Geschichte des Begriffes "Freistaat" befassen; dass Bayern zu Deutschland gehört, ist wohl nichts Neues.

@Armin: Das ist nicht mein Denkmuster, sondern ein eher schwacher Versuch, Dinge miteinander zu vermischen, die nicht zusammengehören. Im Fall Orfino ging es um einen 20-Jährigen und um die Überzeugung, dass man einen 20-Jährigen auf den richtigen Weg bringen kann. Aber ich hab schon verstanden: Das will man nicht. Ich akzeptiere das, ist auch nicht mein Problem. Für mich ist diese Diskussion deshalb beendet. Das was Sie dann noch über die Post-Faschisten schreiben, entspricht nicht meinem Denken, sondern ist ein beliebiges Aneinanderketten von dem, was Sie verstanden haben. Ich glaube vielmehr, dass nicht jeder Italiener in Südtirol, der "rechts" wählt, ein Post-Faschist ist und dass nicht jeder Italiener, der "links" wählt, ein Kommunist ist. Und ich glaube, dass man einen Teil der Italiener, egal ob sie "links" oder "rechts" wählen, für die Freistaat-Idee gewinnen könnte. Das war alles. Dass ich die Post-Faschisten für den Freitsaat gewinnen möchte, legen Sie mir in den Mund.
27. Juli 2010

ko schrieb:

...
Und warum nehmt Ihr, die Süd-Tiroler Freiheit und die Union nicht endlich das Ruder in die Hand anstatt nur zu jammern und zu träumen???

Legt ein konkretes Ziel fest, steht dazu und bringt die Idee unters Volk und begeistert damit die Menschen für eine freie Zukunft!!!
Um diese Bewegung zu verstärken braucht es mehr als nur starke Worte auf der Homepage.
27. Juli 2010

Ladstätter Norbert , Freiheitliche Terenten schrieb:

...
@ko:
Da hast du recht , das fragen wir uns auch schon lange .
01. August 2010

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Südtiroler Landtag - 4. Stock
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Fax: 0471 946 301
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