Zweisprachigkeit bei den Ärzten bald nur noch freiwillige Zugabe?

Veröffentlicht am 17.01.2017
Jeder 4. Arzt hat keinen Zweisprachigkeitsnachweis - Tendenz steigend!

"Wie aus der Beantwortung einer Landtagsanfrage des Unterfertigten vom April 2016 hervorgeht, hat jeder vierte Arzt in Südtirol keinen Zweisprachigkeitsnachweis. Von den 1.224 Ärzten und Zahnärzten waren dies 324. Nun wurde bekannt, dass die Landesregierung im Bereich der Sanität bzw. der Beschäftigung von Ärzten eine sehr großzügige Ausnahmeregelung anstrebt, indem sie 50 Ärzte ohne den vorgeschriebenen Zweisprachigkeitsnachweis anstellen möchte. Die Landesregierung versichert zwar, dass es grundsätzlich das Bestreben des Sanitätsbetriebes sei, jedem Bürger das Recht auf den Gebrauch der eigenen Muttersprache zu gewähren, in der Realität wird dieses Grundrecht jedoch immer öfter eingeschränkt", so der freiheitliche Fraktionssprecher im Landtag, Pius Leitner, in einer Aussendung.

Die Zweisprachigkeit im öffentlichen Dienst sei eine der wesentlichen Errungenschaften der Südtiroler Autonomie und laufe nun Gefahr, zu einer "freiwilligen Zugabe" zu werden. Das Recht der Bürger auf Gebrauch der eigenen Muttersprache habe gerade im sensiblen Bereich des Gesundheitswesens eine besondere Bedeutung. So warne der Gewerkschaftsvertreter der Hausärzte, Eugen Sleiter, vor einsprachigen Befunden und Verständigungsproblemen zwischen Hausarzt und Patienten. Gleichzeitig befürchte er eine steigende Fehlerquote, wenn der Arzt den Patienten nicht verstehe und umgekehrt, führt Leitner aus.

"Dass der Generaldirektor des Südtiroler Sanitätsbetriebes Thomas Schael sagt, er sei in erster Linie für die Gesundheit verantwortlich und erst in zweiter Linie für die Einhaltung von Autonomiebestimmungen, leuchtet beim ersten Hinsehen sicher ein. Ebenso kann man Verständnis dafür haben, in einer Ausnahmesituation zu Ausnahmeregelungen zu greifen. Die prekäre Situation bei der Suche bzw. Anstellung von Ärzten ist jedoch nicht heute oder gestern entstanden. Viele gute Südtiroler Ärzte sind vom Sanitätsbetrieb regelrecht vertrieben worden. Aus einer Erhebung vor einigen Jahren ging hervor, dass ein Arzt für die Patienten 20% seiner Arbeitszeit aufwendet, jedoch 80% für die Bürokratie. Haus- und Krankenhausärzte sind heute die größten Lieferanten von Statistiken. Wenn den Ärzten die bürokratische Belastung zu einem guten Teil abgenommen würde, hätten sie auch wieder mehr Zeit für die Patienten, was doch ihre ureigenste Aufgabe ist. Nun besteht die Gefahr, dass die Ausnahmesituation zur Regel werden könnte", befürchtet Leitner.