Wann steigen die Löhne in Südtirol?

Veröffentlicht am 26.04.2017
Der positive Trend am Südtiroler Arbeitsmarkt hat sich auch in den ersten Monaten des Jahres 2017 fortgesetzt.

Seit einigen Monaten liegt die Arbeitslosenrate wieder unter der Marke von vier Prozent. Diese Daten allein sagen aber nur die halbe Wahrheit. Noch nie war der Anteil an Festanstellungen so gering wie derzeit: Im Jahr 1998 waren noch 82% der Arbeitsverhältnisse unbefristet und nur 18% befristet. Im Jahr 2016 machen die Festanstellungen nur mehr 74% aus, während die zeitlich befristeten Verträge auf 26% angestiegen sind. Zu berücksichtigen ist auch, dass der Beschäftigungszuwachs ausschließlich auf dem Vormarsch von Teilzeitarbeit zurückzuführen ist. Die Vollzeitarbeitsverhältnisse bleiben zwischen den Jahren 2002 und 2016 relativ konstant bei 140.000, die Teilzeitverhältnisse nahmen im gleichen Zeitraum von 15.000 auf 52.000 zu. Gearbeitet wird heute allerdings vielfach zu schlechteren Bedingungen in Bezug auf Vertragsform und Entlohnung. Das beste Negativbeispiel ist das Ausstellen der Voucher-Gutscheine anstelle von Saisonverträgen. Allzu oft geschah dies zu Ungunsten der Arbeitnehmer.  

Gleichzeitig verharren die Stimmungsindikatoren, welche die wirtschaftliche Situation der Arbeitnehmerfamilien beschreiben, weitgehend auf unverändertem Niveau. Der wirtschaftliche Aufschwung festigt sich, Südtirols Arbeitnehmer haben im Moment aber wenig davon. Die Zufriedenheit am Arbeitsplatz hat in den letzten Jahren abgenommen. Die Verschlechterung zeigt sich quer durch alle Indikatoren. Am stärksten betroffen sind die Weiterbildungsmöglichkeiten, der Führungsstil und das Einkommen.

Trotz wirtschaftlichen Aufschwunges stehen die Kollektivverträge in den allermeisten Sektoren in Italien und somit auch in Südtirol still. Die sinkende Kaufkraft als Resultat jahrelanger Erosion der Nominallöhne durch steigende Lebenshaltungskosten wird von einem zunehmenden Teil der Bevölkerung als großes Problem angesehen. Immer mehr Familien haben mit ihren Einkommen bis Monatsende kein Auskommen mehr! Es braucht für Südtirol unbedingt wieder neue Zusatzverträge, um die niedrige Inflationsrate ansteigen zu lassen. Die Gefahr einer Deflation besteht nach wie vor, denn auch die Arbeiterschaft muss vom Wohlstand der Wirtschaft in Südtirol profitieren. Steigt der Lohn, so steigt auch der Konsum.

Walter Frick
Landesparteiobmann-Stellvertreter