Umweltskandal im Naturpark

Veröffentlicht am 16.11.2016
Überproduktion eines E-Werkes führt zu Trockenheit – Organismengemeinschaft „vernichtet“

Der Freiheitliche Fraktionssprecher im Südtiroler Landtag, Pius Leitner, ging mittels einer Anfrage den Medienberichten zur Überproduktion eines E-Werkes im Naturpark Rieserferner-Ahrn nach. Demnach soll ein Werk im „Mühlbacher Talile“ oberhalb von Gais mehr Strom produzieren als erlaubt wäre. Die fehlenden Restwassermengen führten zu dramatischen Umweltschäden.

„Im ‚Mühlbacher Talile‘ missachtet der Konzessionär die vorgeschriebene Begrenzung der maximalen Wasserableitung“, hält Pius Leitner mit dem Verweis auf die Antwort auf seine Anfrage in einer Aussendung einleitend fest. „Die Verwaltung hat aufgrund der festgestellten Überproduktion insgesamt vier Strafbescheide und eine Mahnung zugestellt. Aufgrund der eingereichten Rekurse wird derzeit ein Verfahren für den Entzug der Konzession nicht eingeleitet“, entnimmt Leitner aus den vorliegenden Informationen und erklärt, dass die Gesamtsumme der Strafen nicht beziffert werden könne aufgrund des Berufungsrekurses mit Aussetzungsantrag vor dem Staatsrat.

„‘Es handelt sich um beträchtliche ökologische Schäden, die auf die fehlende Restwasserdotation auf beiden Restwasserstrecken zurückzuführen sind‘“, zitiert Leitner aus der Antwort auf seine Anfrage. „‘Durch das Trockenfallen der beiden Gewässerabschnitte wurde die gesamte, dort vorkommende gewässergebundene Organismengemeinschaft (bestehend aus Fischen, Insektenlarven, Würmern und Käfern) vernichtet und so die Funktionsfähigkeit bzw. die natürliche Selbstreinigungskraft des Gewässerökosystems während der Wintermonate zerstört. Das Fehlen von frei zugänglichem Wasser in den Wintermonaten bedeutet für verschiedene Wildtiere eine zusätzliche Gefahr, weil längere Wege in tief verschneitem Gelände zurückgelegt werden müssen‘“, hält der Freiheitliche Landtagsabgeordnete aus der Antwort fest und gibt zu bedenken, dass es sich hierbei um einen gesetzlich geschützten Naturpark handelt, der von Umweltschäden betroffen ist.

„Der Konzessionär müsste als Ausgleich für den angerichteten Umweltschaden eine ökologische Verbesserungsmaßnahme an einem Gewässer in der Gemeinde Gais mitfinanzieren“, betont Pius Leitner. „Laut Auskunft des zuständigen Landesrates würde die Ausgleichsmaßnahme die Errichtung einer ‚dynamischen Rampe‘ in der Ahr vorsehen. Südlich der ‚Gatzaue‘ sollte diese realisiert werden mit einer gleichzeitigen Hebung des Bachbettes an derselben Stelle. Das entsprechende Urteil des Verwaltungsgerichtes sei jedoch noch nicht rechtskräftig“, beschreibt der Freiheitliche Fraktionssprecher im Landtag die herrschende Situation.

„Der Missstand muss unverzüglich behoben werden“, unterstreicht Leitner abschließend, „und den Konzessionären ist künftig bei der Feststellung von gravierenden Umweltschäden die Stromproduktion zu untersagen. Besonders in sensiblen ökologischen Gebieten, die der gesamten Bevölkerung zugutekommen, muss ein ausreichender Schutz der Umwelt gewährleistet werden.“