Übermittlungsplattform „Telemaco“ der Handelskammer nicht in deutscher Sprache

Veröffentlicht am 27.03.2017
Deutsche Sprache wird übergangen – Missstände dürfen nicht geduldet werden

Die Handelskammer von Bozen wird seit Jahren ersucht, den Unternehmern der deutschen Muttersprache die Software „Telemaco“ in deutscher Sprache zur Verfügung zu stellen. Laut Aussagen der Handelskammer sei dies aus Kostengründen nicht möglich. Trotz Verletzung der Zweisprachigkeitspflicht sind die Unternehmen gezwungen die entsprechenden Operationen in italienischer Sprache abzuwickeln, ansonsten werden Strafen fällig. Diese Vorgehensweise ist minderheitenfeindlich und verstößt gegen die verbrieften Rechte der Südtiroler. Der Freiheitliche Landtagsabgeordnete Pius Leitner intervenierte mit einer Anfrage.

„‘Das Bemühen der Handelskammer ist darauf gerichtet, bei den der Online-Plattform Telemaco zu Grunde liegenden Programmen den Gebrauch der deutschen Sprache zu ermöglichen und hat dazu mehrere Studien erstellt, bzw. in Zusammenarbeit mit der Informatikgesellschaft der italienischen Handelskammern lnfocamere versucht, Programme in deutscher Sprache zu entwickeln. Einer schnellen Umsetzung dieses Vorhabens stehen einerseits sehr hohe Kosten im Wege - allein für die Erstellung einer deutschen Version der Software "Comunica starweb" wurden 200.000 € veranschlagt - andererseits müssen die Software-Programme laufend aktualisiert werden. Aus diesem Grund hat die Handelskammer vor allem darauf hingearbeitet, dass es den Unternehmern ermöglicht wird, die gesetzlich vorgeschriebene Dokumentation auch in deutscher Sprache zu hinterlegen, sowie einen zweisprachigen Leitfaden mit detaillierten Angaben für die Bilanzhinterlegung und einen kostenlosen e-Learning-Kurs in deutscher Sprache zur Verfügung zu stellen, um den Unternehmern in deutscher Sprache Informationen über die Verpflichtungen zur Bilanzhinterlegung anzubieten‘“, entnimmt Pius Leitner einleitend aus der Antwort des Landeshauptmannes auf seine Anfrage.

Leitner gibt zu bedenken, dass jede Form des Minderheitenschutzes nicht selbstverständlich ist. „Das Recht zum Gebrauch der Muttersprache wird nach wie vor von vielen staatlichen Stellen nicht berücksichtigt. Die Rechte der Südtiroler sind zwar völkerrechtlich verankert, aber die Verträge bilden keine Garantie zum Einhalten der Rechte“, gibt Leitner zu bedenken und fordert von der Bevölkerung sich stets auf das Recht zum Gebrauch der Muttersprache zu berufen.

„Auf Anfrage bestätigte die Landesregierung, dass auch die Handelskammer an die Vorgaben der Zweisprachigkeitspflicht gemäß DPR Nr. 574/1988 gebunden ist“, hält der Freiheitliche Landtagsabgeordnete fest. „Die Übermittlungsplattform „Telemaco“ wird derzeit nur in italienischer Sprache angeboten, obwohl die Pflicht bestünde, die Software auch in deutscher Sprache bereitzustellen. Für die deutschsprachigen Südtiroler entsteht dadurch nicht nur ein Nachteil bei der Nutzung eines öffentlichen Dienstes, sondern es handelt sich hierbei auch um einen massiven Eingriff in die Bürgerrechte“, unterstreicht Leitner.

„Derartige Verstöße gegen die Minderheitenrechte der Südtiroler sind umgehend zu melden und sind keineswegs hinzunehmen. Nur durch Unnachgiebigkeit und mit steter Verteidigungsbereitschaft können die Früchte der Autonomie gewahrt werden“, gibt Pius Leitner abschließend zu bedenken.