Tirol-Bewusstsein lässt zu wünschen übrig

Veröffentlicht am 12.09.2016
Europaregion Tirol – es knirscht im Gebälk
Dominieren tatsächlich Gardasee, Törggelen und Ikea?

„Wenn man Südtirol oberflächlich betrachtet, glaubt man ein Land in Frieden, Wohlstand und Selbstbewusstsein zu erkennen. Das ist die eine Seite der Medaille; bei näherem Hinsehen wird man jedoch auf der anderen Seite der Medaille auch Not, Gleichgültigkeit und Selbstgefälligkeit feststellen. Mangelnde Geschichtskenntnisse und mangelnde Vorbilder im öffentlichen Leben haben dazu geführt, dass Tirol als Ganzes nicht mehr wahrgenommen wird. Die Europaregion ist bisher über theoretische Sprechblasen und schöne Feste nicht hinausgekommen. Wenn nun der Tiroler Landeshauptmann Günther Platter von seinen Regierungsmitgliedern einen Bericht über den Zustand der Europaregion verlangt, so sagt dies viel aus über die konkreten Befindlichkeiten. Die Tiroler Tageszeitung (TT) titelte gestern (8. September) dazu, dass es im Gebälk der Europaregion Tirol knirsche. Landeshauptmann Kompatscher sollte von seinen Regierungsmitgliedern ebenfalls einen solchen Bericht verlangen und danach konkrete Schritte setzen anstatt die Werbetrommel für Renzis ultra-zentralistische Verfassungsreform zu rühren, die Südtirol zum Schaden gereicht“, schreibt der freiheitliche Landtagsabgeordnete Pius Leitner in einer Stellungnahme.

In seinem Leitartikel vom 8. September d. J. habe TT-Redakteur Peter Nindler auf die Mängel im Alltag der Tiroler Landesteile hingewiesen und gemeint, dass Statuten , Dreierlandtage, ein geistiges Zentrum in Alpbach und ein Wissenschaftsfonds nicht ausreichten, um die Europaregion in den Köpfen der Menschen zu verankern. Nindlers abschließende Bemerkung, dass in den Köpfen der Menschen ohnehin der Gardasee, Törggelen oder Ikea dominierten und dass man es vielleicht dabei belassen sollte, müsse zu denken geben, so Leitner.

„Man muss in aller Aufrichtigkeit feststellen, dass letzthin Themen die Diskussion beherrschten, welche die Landesteile eher auseinanderdividierten als vereinten. Am Beispiel der Flüchtlingspolitik kann dies eindrucksvoll festgemacht werden. Anstatt miteinander zu reden und – trotz der unterschiedlichen Interessenlage - gemeinsam aufzutreten, fuhr die Südtiroler Landesregierung dem Bundesland Tirol und Österreich insgesamt gehörig in die Parade.  Landeshauptmann Kompatscher erwies sich auch hier als treuer Vasall Renzis. 
Derzeit herrscht in Südtirol darüber Aufregung, dass sich eine Musikantin beim Marsch ‚Dem Land Tirol die Treue‘ dazu verleiten ließ, ob der im Trio beklagten gewaltsamen Trennung Tirols ein ‚Gott sei Dank‘ hinauszuposaunen. Ich führe das auf mangelnde Geschichtskenntnisse zurück und auf Oberflächlichkeit. Dass Südtiroler inzwischen ein solches ‚Bekenntnis‘ ablegen, muss objektive Gründe haben. Nach denen sollte man suchen, anstatt jetzt auf eine Musikantin einzudreschen, die – aus welchen Gründen auch immer – lediglich eine Nachahmerin ist“, schließt Leitner.