Muss man immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand rennen?

Veröffentlicht am 26.01.2017
Mit Diplomatie, Geduld und Weitsicht öffnen sich auch Türen- Glückwunsch an den neuen Bundespräsidenten Van der Bellen

Österreich hat ab heute mit dem Grünen Alexander Van der Bellen einen neuen Bundespräsidenten. Die Würde des Amtes gebietet es, ihm dazu zu gratulieren, auch wenn ich mir – wie übrigens sehr viele Südtiroler auch – Norbert Hofer (FPÖ) gewünscht hätte. Ich wünsche dem neuen Bundespräsidenten eine glückliche Hand bei der Führung seiner Amtsgeschäfte und dass er auch Südtirol nicht aus den Augen verlieren möge.

Angesichts der von Medien verbreiteten Meinung, die FPÖ würde in Südtirol „fremdgehen“ und angesichts der Deutung, dies stehe im Zusammenhang mit der Vision eines Freistaates, bedarf es einer Klarstellung. Es stimmt, dass es zwischen den Südtiroler Freiheitlichen und der Bundes-FPÖ Spannungen gegeben hat. Diese wurden bereits vor längerer Zeit ausgeräumt und wir sind auf einem guten Weg, das Vertrauen wieder herzustellen. Die Zusammenarbeit mit der Tiroler FPÖ funktioniert übrigens sehr gut. Richtig ist auch, dass die FPÖ laut Parteiprogramm in der Wiedervereinigung der Tiroler Landesteile bzw. in der Rückkehr Südtirols zu Österreich die erste Option sieht. Daraus eine glatte Ablehnung des Freistaat-Modells abzuleiten, ist bei den Haaren herbeigezogen.
Es gibt überhaupt keinen Zweifel daran, dass der von uns Freiheitlichen propagierte Freistaat ein unabhängiger Staat sein wird. Ein solcher hat mit einem „Freistaat Bayern“ oder mit einem „Freistaat Thüringen“ überhaupt nichts zu tun. Leider sind es gewisse „Patrioten“, die dies wider besseren Wissens immer wieder streuen. Ich bin überzeugt, dass der Weg des unabhängigen Freistaates gangbar ist, aber nur unter Einbeziehung der Italiener in Südtirol. Mit einem solchen Projekt kommen wir derzeit eher ans Ziel wie mit einem „Anschluss“. Natürlich wäre mir persönlich eine Rückkehr zum Vaterland Österreich lieber; das wäre die einfachste und beste Lösung, wenn, ja wenn da nicht die Streitbeilegungserklärung vor der UNO aus dem Jahre 1992 wäre. Da steht klar und deutlich drinnen, dass kein politisches Projekt ohne die Zustimmung der jeweils anderen Sprachgruppe umgesetzt werden kann. Und Österreich hat zugestimmt, nur die FPÖ hatte sich seinerzeit dagegen ausgesprochen. Ich musste in den vergangenen Jahren leider zur Kenntnis nehmen, dass Österreich die Beziehungen zu Italien wichtiger sind als die Wünsche der Südtiroler. Ja, ich habe teilweise sogar den Eindruck gewonnen, dass wir als „lästig“ empfunden werden. Trotz mancher Enttäuschung verleugne ich meine österreichischen Wurzeln nicht und ich bleibe im Herzen Österreicher und Deutscher. Schon Andreas Hofer, dessen Todestag sich bald wieder jährt, fühlte sich von den Wienern nicht verstanden („Ich bin verlassen ganz vom Römischen Kaiser Franz……) In der öffentlichen Darstellung ist Südtirol zwar ein „Herzensanliegen“, im tagespolitischen Geschäft ist dies jedoch nicht immer spürbar. Dies gilt für die Regierungsparteien hüben und drüben. Die FPÖ ist die löbliche Ausnahme und ich hoffe wirklich, dass diese bei den nächsten Nationalratswahlen stärkste Kraft wird und dass sich in der Südtirolpolitik etwas ändert. Eines muss aber auch klar sein: die Initiative muss von Südtirol ausgehen!
Glaubt wirklich jemand allen Ernstes, dass die Italiener mehrheitlich für eine Angliederung Südtirols an Österreich sind? Da stimmt mich die Freistaat-Lösung zuversichtlicher und wem tatsächlich an einer Lösung gelegen ist, der sollte zumindest beide politischen Projekte objektiv gegenüberstellen. In den Schoss wird uns beides nicht fallen und um eine Mehrheit für eine Lösung zu finden, die über die bisherige Autonomie hinausgeht, sollten alle Tiroler guten Willens kämpfen. Das Selbstbestimmungsrecht bleibt selbstverständlich unangetastet und für jedwede Lösung braucht es in einer Demokratie eine Mehrheit. Daher empfehle ich, die Angriffe auf das Freistaat-Projekt zu unterlassen, alle im Raum stehenden Vorschläge ernsthaft zu prüfen und die Gemeinsamkeiten vor das Trennende zu stellen. Wer dies nicht versteht, hilft den Zementierern des „status quo“. Muss man immer wieder mit dem Kopf gegen die Wand rennen und sich eine blutige Nase holen oder sollte man nicht lieber prüfen, ob es in der Wand vielleicht eine Tür gibt, die sich öffnen lässt?