Milchpreisverfall trifft Südtirol

Veröffentlicht am 04.07.2016
72 Betriebe innerhalb eines Jahres aus Milchproduktion ausgestiegen - Stellungnahme von Landesparteiobmann Walter Blaas

Die Milchlandwirtschaft befindet sich in einer schweren Krise und der Milchpreis befindet sich im freien Fall. Einige Molkereien zahlen in Deutschland nach Angaben der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" inzwischen nur noch 18 bis 19 Cent je Liter. Schätzungen des Agrarmarktinstitutes ISMEA gehen bei kleineren Landwirtschaftsbetrieben in Berggebieten von Produktionskosten bis zu 55 Euro pro 100 Liter Milch aus. Dies entspricht Produktionskosten von 55 Cent pro Liter Milch. Wenn die Milchproduktion die Haupteinnahmequelle für Südtirols Bergbauern bleiben soll, stellt sich die Frage nach der weiteren Milchpreisentwicklung.

„Im Zeitraum vom ersten April 2014 bis zum 31. März 2015 sind in Südtirol insgesamt 72 Betriebe aus der Milchproduktion ausgestiegen“, hält der Freiheitliche Landtagsabgeordnete Walter Blaas mit Blick auf vorliegende Informationen in einer Aussendung einleitend fest. „Seit dem Auslaufen der Milchquotenregelung sind die Milchproduzenten nicht mehr verpflichtet den Ausstieg aus der Produktion mitzuteilen. Wie sich die Situation derzeit im Lande darstellt ist unbekannt“, bemängelt Blaas.

„Trotz der unterschiedlichen Unterstützungen durch Landesbeihilfen wird sich die Situation in Südtirol – wie auch im restlichen EU-Raum – eher zuspitzen als entspannen. Bereits vor Jahren hätte es Maßnahmen und Reformen gebraucht, die den Milchmarkt nach dem Fall der Quote stabilisiert hätten“, so der Freiheitliche Landtagsabgeordnete. „Alternativen zur Milchproduktion hätten stärker forciert und gefördert werden müssen. Entsprechende Anreize wären gezielt zu setzen gewesen, um für die betroffenen Betriebe neue Perspektiven zu eröffnen“, betont Walter Blaas.

„Für das Jahr 2016 lässt sich der durchschnittliche Auszahlungspreis pro Kilogramm noch nicht berechnen. Im vergangenen Jahr lag der Preis bei 50,98 Cent“, hält Blaas fest und warnt vor einem sprunghaften Preisverfall wie er in den nördlichen EU-Staaten bereits zu beobachten ist. „Je früher und effektiver sich das Land diesem Problem stellt, umso mehr können die negativen Folgen abgefedert werden. Deshalb darf der zuständige Landesrat und sein Ressort keine weitere Zeit mehr verlieren“, unterstreicht Walter Blaas abschließend.