Massiver Hausärztemangel in wenigen Jahren

Veröffentlicht am 03.04.2017
59 Ärzte erreichen heuer das Pensionseintrittsalter von 65 Jahren – Zukunft ungewiss

Der akute Mangel an Jungärzten und im Besonderen an Hausärzten erfüllt die Menschen mit Sorge. Die Diskussionen der letzten Tage und Wochen führten bisher zu keiner Entwarnung. Viel mehr sind vor allem Menschen in der Peripherie besorgt, die ärztliche Versorgung könnte dort eingeschränkt werden. Anscheinend haben die Verantwortungsträger die Dringlichkeit einer Kursänderung Immer noch nicht erkannt. Dazu gehören Maßnahmen, die entsprechenden Anreize schaffen, dass sich Ärzte auch in der Peripherie niederlassen. Im Wipptal müssen Patienten infolge der (längst bekannten) Pensionierung eines Hausarztes einen Vertrauensarzt wählen, der seine Praxis in einer anderen Gemeinde hat. Es darf jedoch bei der medizinischen Grundversorgung keinen Unterschied geben, ob jemand in Zentren wie Bozen, Meran und Brixen oder in entlegenen Gebieten wie Prettau, Pfitsch und Langtaufers wohnt. Von einer freien Arztwahl kann sowieso keine Rede mehr sein und die Schuld dafür liegt nicht nur beim Staat, der unsinnige Obergrenzen festlegt.

„Ab einem Alter von 65 Jahren können Ärzte in Pension gehen und ab einem Alter von 70 Jahren sind die Ärzte verpflichtet in den Ruhestand zu wechseln“, hält der Freiheitliche Landtagsabgeordnete Pius Leitner in einer Aussendung einleitend fest. „‘Wir wissen, dass noch heuer 2 Ärzte für Allgemeinmedizin das 70. Lebensjahr und 59 Ärzte das 65. Lebensjahr erreichen werden. Wer von ihnen jedoch gedenkt in naher Zukunft in Pension zu gehen, ist uns leider nicht bekannt, da sie selber entscheiden können, wann sie gehen, und sie müssen dies auch nur zwei Monate vorher mitteilen‘“, entnimmt Leitner aus der vorliegenden Antwort der Landesrätin Stocker und verweist auf die dramatische Zuspitzung der Lage.

„Zwar werden in den kommenden Jahren neue Absolventen der Allgemeinmedizin erwartet und diese sind verpflichtet für zwei Jahre in Südtirol ihren Dienst zu leisten, aber damit ist die Versorgung durch Hausärzte im Land noch nicht gewahrt“, erörtert der Freiheitliche Landtagsabgeordnete.

„Die Bevölkerung wird fast täglich mit Nachrichten versorgt, wonach es zwischen den Hausärzten und der Landesregierung Auseinandersetzungen gibt; einmal ist eine Lösung in Sicht, am Tag darauf wird ein Streik angekündigt. Die Verunsicherung ist groß“, unterstreicht Leitner und gibt zu bedenken, dass nach wie vor ein Masterplan für die flächendeckende Gesundheitsversorgung des Landes ausständig ist. „‘Es hat ein Treffen zwischen Landeshauptmann, Landesrätin und den Gewerkschaftsvertretern der Hausärzte stattgefunden. Bei diesem wurde die Bereitschaft bekundet 7,5 Mio Euro in die Allgemeinmedizin zu investieren unter der Voraussetzung, dass diese Zuwendungen zum Wohl der Patienten beitragen, indem vernetzte Gruppenmedizinen und diagnostisch therapeutische Betreuungspfade sog. PDTA errichtet werden‘“, zitiert Leitner aus der Auskunft der zuständigen Landesrätin und glaubt nicht an einen schnellen Erfolg.

„Die Ausübung eines ärztlichen Berufs ist für viele Jungärzte im nördlichen Ausland weit attraktiver als in Südtirol“, kritisiert Leitner und verweist auf die hausgemachten Probleme in der Sanität, die absurden Regelungen, die bürokratischen Hürden und die mangelnden Zukunftsperspektiven. „Südtirol wird in wenigen Jahren mit einem massiven Mangel an Allgemeinmedizinern konfrontiert sein. Nach wie vor hat die SVP-Landesregierung keine Strategie zur Behebung der Probleme im Sanitätswesen zu bieten und die Bevölkerung ist am Ende der Geduld angelangt“, unterstreicht Pius Leitner abschließend.