Ladiner leiden nach wie vor unter „divide et impera-Politik“

Veröffentlicht am 14.07.2016
Zerschlagung der ladinischen Landesteile überwinden

Der freiheitliche Fraktionssprecher im Landtag, Pius Leitner, erinnert in einer Aussendung an die Großkundgebung der Ladiner auf dem Sellajoch vor 70 Jahren, bei welcher der Wunsch nach Vereinigung unter einem politischen Dach gefordert und das gemeinsame Bekenntnis als Tiroler ausgedrückt wurde. Man habe die Zerschlagung der Heimat überwinden wollen. Mit der Teilung Tirols nach dem Ersten Weltkrieg sei eine zusätzliche Aufteilung der Ladiner auf zwei Regionen und drei Provinzen erfolgt, was einem gemeinsamen Auftreten und einer Stärkung ihres Volkes nicht förderlich gewesen sei.

„Es hat lange gedauert bis das Ladinische als eigenständige Sprache anerkannt wurde. Ob es eine ladinische Einheitssprache neben den einzelnen Idiomen braucht, sollen die Ladiner selber entscheiden. Dazu ist es aber notwendig, dass dies Sprachwissenschaftler tun und nicht Politiker. Eine Entkrampfung kann nur dann stattfinden, wenn die verschiedenen Kulturorganisationen vom parteipolitischen Ballast befreit werden. Die Ladiner brauchen keine Zurufe von außen, sie müssen sich aber im Klaren sein, dass die derzeitige Zersplitterung für ihre Ziele nicht hilfreich ist. Es ist auch Sache der Ladiner, wie sie sich grundsätzlich politisch organisieren und wie sie ihr Selbstbestimmungsrecht ausüben wollen “, so Leitner.

Leitner erinnert an die Volksabstimmungen in den ladinischen Gemeinden Cortina, Buchenstein und Col im Jahre 2007. Die Bevölkerung dieser Gemeinden hat mehrheitlich eine Angliederung an Südtirol gefordert, aber die entsprechenden Unterlagen drohten anscheinend in einer römischen Schublade zu verstauben. Roma locuta, causa finita? Südtirol sollte diesbezüglich mehr Druck machen, damit dem Wunsch entsprochen werde. Bedenklich findet Leitner die Entwicklung im Veneto, wo sich inzwischen in vielen Gemeinden Personen als Ladiner erklärt hätten, nur um Fördertöpfe des Staates und der Region anzapfen zu können. Damit werde den wirklichen Ladinern ein Bärendienst erwiesen.

„Die ‚divide et impera-Politik, welche der Faschismus hervorgebracht hat und welche auch von Degasperi fortgesetzt wurde, hat die ladinischen Landesteile voneinander entfernt. Ein eventueller Wunsch nach Wiedervereinigung muss von den Ladinern selbst ausgehen, Südtirol stünde es aber gut an, sie dabei zu unterstützen“, erklärt Leitner.