„Funktionale Umverteilung“ von Migrantenschülern

Veröffentlicht am 01.06.2016
Bisher nur in der Landeshauptstadt in Kraft

Im April berichtete Bildungslandesrat Philipp Achammer über das Vorhaben, Schulkinder mit Migrationshintergrund künftig auf andere Schulen zu verteilen, wenn in der Schule, welche im Einzugsgebiet der Eltern liegt, zu viele Migrantenkinder sind. Diese sogenannte „funktionale Verteilung“ solle die Ghettoisierung von Schulen verhindern. Der Freiheitliche Landtagsabgeordnete Pius Leitner erkundigte sich in einer Landtagsanfrage über die praktische Umsetzung dieser Maßnahme.

Landesrat Philipp Achammer schickt in seiner Antwort voraus, dass die Maßnahme zur Umverteilung von Schülern mit Migrationshintergrund nur in besonderen Ausnahmesituationen zur Anwendung kommen solle. In erster Linie seien andere integrationsfördernde Maßnahmen zu ergreifen, stellt Achammer klar.

In Kraft getreten ist die funktionale Umverteilung bisher nur in Bozen. Der Landesrat gibt bekannt, dass durch die neue Regelung in diesem Jahr in Bozen/Gries die Einschreibung von Kindern anderer Stadtviertel eingeschränkt worden sei, um während des Schuljahres Platz für zuziehende Migrantenkinder zu haben. Im Grundschulsprengel Bozen werden nachträglich eingeschriebene Migrantenkinder intern auf die Schulstellen in Rentsch und Bozner Boden verteilt, da die Klassen an der Goethe-Schule schon sehr groß sind und einen hohen Migrantenanteil haben. Insgesamt seien im Schuljahr 2015/16 sieben Kinder funktional umverteilt worden, so Achammer.

Auf Leitners Frage, ab wann Migrantenschüler funktional umverteilt werden und wer darüber entscheidet, entgegnet Achammer, dass sich kein zahlenmäßiges Kriterium formulieren lasse, ab wann gezielte Maßnahmen zur funktionalen Verteilung von Schülern mit Migrationshintergrund zu ergreifen seien. Denn Merkmale wie Staatsbürgerschaft, Kulturkreis, Geburtsort, Aufenthaltsdauer, Sprachkompetenz, Bildungsnähe des Elternhauses sowie Leistungsbereitschaft des Schülers würden in Summe das Phänomen umschreiben, jedes Merkmal sei für sich alleine aber nicht als Kriterium geeignet. Über eine funktionale Umverteilung entscheide daher die betroffene Schulführungskraft zusammen mit dem Schulamt, erklärt Landesrat Achammer.