Freiheitliche kritisieren Achammers Bildungsgesetz

Veröffentlicht am 10.05.2016
Leitner, Oberhofer und Mair möchten Änderungen vornehmen

Diese Woche möchte Bildungslandesrat Philipp Achammer den Landesgesetzentwurf Nr. 77/16 vom Südtiroler Landtag genehmigen lassen. Damit sollen die Grundsätze der staatlichen Bildungsreform „La buona scuola“ auf Landesebene umgesetzt werden. Die Freiheitlichen kritisieren Teile des Entwurfs, mit dem Änderungen zu Landesgesetzen im Bereich Bildung vorgenommen werden, und möchten einige Artikel streichen lassen.

Allen voran halten die Blauen nichts davon, den Schulen die Möglichkeit einzuräumen, das Ziffernnotensystem und das Sitzenbleiben bis zum zweiten Teil des Oberschul-Bienniums abschaffen zu können, wie es der Gesetzesentwurf vorsieht. „Das Ziffernnotensystem ermöglicht die direkte Vergleichbarkeit der Leistungen unserer Schülerinnen und Schüler und ist eine geeignete und bewährte Form, den Schülern den notwendigen Leistungsgedanken zu vermitteln. Unmittelbare Folgen der Abschaffung von Ziffernnoten und Sitzenbleiben wären ein Abfall der Leistungsbereitschaft und der Disziplin der Schüler. Eine notenfreie Schule ist naive Sozialromantik“, schreibt der Landtagsabgeordnete Pius Leitner in einem Tagesordnungsantrag zum Gesetz. Leiter möchte, dass der Südtiroler Landtag die Landesregierung verpflichtet, „keine Änderungen am Ziffernnotensystem der öffentlichen Schulen in Südtirol durchzuführen und bereits geplante Umgestaltungen zu revidieren“.

Die Landtagsabgeordnete Tamara Oberhofer sieht die Neuregelung der Besetzung von Stellen, die wegen besonderer Unterrichtsverfahren oder besonderer schulischer Angebote eine spezifische Qualifikation der Lehrperson erfordern, problematisch. Achammers Gesetzentwurf sieht hierzu vor, dass künftig nicht nur das Schulamt sondern auch „einzelne Schulen“ das Ausleseverfahren zur Eintragung der Lehrpersonen in die Ranglisten für besondere Unterrichtsverfahren durchführen können. Zudem sollen Schulen die Möglichkeit erhalten, auch „Personen außerhalb der Berufskategorie der Lehrpersonen“ für die Besetzung solcher Stellen heranzuziehen bzw. diese Stellen durch „Verträge mit Sozialgenossenschaften oder ähnlichen Einrichtungen“ zu besetzen. Oberhofer fordert in ihrem Abänderungsantrag die Streichung dieser Neuregelung. Die Freiheitliche befürchtet, dass auf diese Weise Personen in Schulen unterrichten könnten, die keine universitäre pädagogische und fachdidaktische Ausbildung genossen haben. Dies gefährde die Qualität des Unterrichts und sei gegenüber Lehrpersonen mit entsprechender Ausbildung nicht korrekt, so Oberhofer.

Die Abgeordnete Ulli Mair hat einen Abänderungsantrag zu einem Artikel im Entwurf eingereicht, der das Probe- und Berufsbildungsjahr von Lehrpersonen neu regelt. Der Artikel sieht vor, dass künftig die Schulführungskräfte alleine das Probejahr von Lehrern bewerten dürfen und nicht wie bisher zusammen mit einem Dienstbewertungskomitee. Mair sieht darin eine übermäßige Aufwertung der Direktoren. „Somit könnten Schulführungskräfte letztendlich alleine und willkürlich über das Bestehen oder Nichtbestehen des Probejahrs einer Lehrperson entscheiden. Das Dienstbewertungskomitee wird im gleichen Zug entwertet und auf eine beratende Funktion degradiert“, so Mair in ihrem Abänderungsantrag.