Eigene Wohnung in Südtirol für die meisten nur ein Traum?

Veröffentlicht am 07.07.2016
Kosten stehen in keinem Verhältnis zu den Einkommen
Auch Mieten sind häufig unerschwinglich

„Eines vorweg: das von uns Freiheitlichen angestoßene und vom Landtag genehmigte Bausparen ist ein Beitrag dazu, dass junge Südtiroler einem Eigenheim einen Schritt näher kommen können. Die volle Wirkung wird man erst in einigen Jahren sehen, weil es dazu eine angemessene Vorlaufzeit braucht. Derzeit macht sich in der Südtiroler Bevölkerung eine große Resignation breit, weil sich kaum jemand eine eigene Wohnung leisten kann ohne sich über Gebühr zu verschulden. Anfang der Siebzigerjahre war es für einen Alleinverdiener, der noch dazu eine Familie zu versorgen hatte, durchaus möglich, ein Haus zu bauen und die Kosten – auch dank der Förderpolitik des Landes und der angemessenen Laufzeiten der Kredite - zu bewältigen ohne besondere Entbehrungen auf sich nehmen zu müssen. Heute reichen meist zwei Einkommen nicht aus, weil die Wohnungskosten in keinem Verhältnis zu den Immobilienpreisen stehen. Je nach Landesteilen bewegen sich die Immobilienpreise zwischen 2.000 und 5.000 Euro je m². In Bozen kostet eine Wohnung von 100 m² rund 500.000 Euro, für die allermeisten Wohnungssuchenden ein Ding der Unmöglichkeit. Wie das Arbeitsförderungsinstitut (AFI) bereits vor 15 Jahren festgestellt hat, sind die Wohnungspreise in Südtirol nicht trotz, sondern wegen der Wohnbauförderung so hoch“, schreibt der freiheitliche Fraktionssprecher im Landtag, Pius Leitner, in einer Aussendung und bemängelt, dass entsprechende Maßnahmen seitens der Landesregierung nach wie vor fehlten.

„Die vor den letzten Landtagswahlen groß angekündigte Mittelstandsförderung war bisher ein Fiasko. Auch junge Familien, wo beide Partner einer Arbeit nachgehen, fallen durch den Förderungsrost. Dies gilt sowohl beim Kauf einer Wohnung wie bei Mietwohnungen. Wenn von zwei Gehältern ein ganzes Einkommen für die Miete oder für die Rückzahlung der Darlehen draufgeht, stimmt das Verhältnis nicht mehr. Muss man sich da wundern, wenn immer mehr junge Menschen immer länger in der ‚Pension Mama‘ bleiben und auf Kinder verzichten? Diese Entwicklung droht fatale demographische Folgen nach sich zu ziehen, weshalb eine Richtungsänderung in der Wohnbaupolitik unerlässlich ist“, fordert Leitner.

„In Sachen Mietwohnungsmarkt tritt Südtirol ebenfalls auf der Stelle. Das Land hat diesbezüglich keine besondere Tradition; angesichts der sich ändernden Lebens- und Arbeitsverhältnisse müssen die Menschen immer flexibler sein, weshalb immer mehr Wohnungssuchende die Mietwohnung einer Eigentumswohnung vorziehen dürften. Das Land hat in den vergangenen Jahren viel Geld für Mietbeiträge (Wohngeld) zur Verfügung gestellt, zuletzt über 40 Millionen jährlich. Diese Art der Förderung hat dazu geführt, dass Mieter nicht selten den Förderbeitrag des Landes auf die Miete draufgeschlagen haben, was zu exorbitant hohen Mieten geführt hat. Andererseits klagen Vermieter, dass die Anreize zum Vermieten fehlen und dass sie kaum eine Möglichkeit haben, unliebsamen Mietern zu kündigen. Mit der Einführung der EEVE (Einheitliche Einkommens- und Vermögenserklärung) gerieten viele Personen in Schwierigkeiten, weil ihnen der Mietbeitrag gekündigt oder reduziert wurde. Wer gehofft hatte, dass mit der Neuregelung die Mieten sinken würden, wurde bisher bitter enttäuscht. Zu einer Verzerrung des Wohnungsmarktes hat auch die unkontrollierte Zuwanderung geführt, weil diese ‚neuen Bürger‘ unverhältnismäßig viel aus den verschiedenen Fördertöpfen des Landes schöpfen. Angesichts der Tatsache, dass Beiträge gekürzt wurden, die Mieten aber trotzdem hoch geblieben sind, geraten viele Menschen in arge finanzielle Bedrängnis – ganz zu schweigen von jenen, die überhaupt durch den Beitragsrost fallen, weil sie ein paar Euro zu viel verdienen. Bleibt zu hoffen, dass mit dem von der Landesregierung angekündigten Wohnbaureformgesetz die Weichen richtig gestellt werden und eine Eigentumswohnung bzw. eine Mietwohnung nicht länger ein unerfüllter Traum bleiben oder gar zum Trauma werden“, schließt Leitner.