Die Ortsnamenregelung in Südtirol verkommt zum Kuhhandel

Veröffentlicht am 03.10.2016
Die historisch gewachsenen Orts- und Flurnamen Südtirols sind das Ergebnis eines Prozesses, der sich seit vorrömischer Zeit abspielt. Viele der heutigen Namen gehen auf die Besiedlung durch rätische und italische Stämme zurück und wurden später von den einwandernden Bajuwaren übernommen und in ihre deutschen Dialekte integriert. Während andere Namen von diesen aus ihrer eigenen Sprache geschaffen wurden. Auch die Ortsnamen in den ladinischsprachigen Tälern gehen zu einem großen Teil auf ältere Sprachstufen zurück und wurden im Laufe der Zeit in die heutigen Dialekte integriert.
 
In der Zeit vor 1918 gab es im Bereich des heutigen Südtirols zwei weitgehend geschlossene Sprachgebiete, ein deutsches und ein ladinisches. Im amtlichen Sprachgebrauch folgte man für die Ortsnamen damals dem Grundsatz der Ortsüblichkeit.

Nach jahrzehntelangem Tauziehen zwischen den Parteien und Sprachgruppen um die Ortsnamen in Südtirol, will jetzt die Sechserkommission einen Vorschlag erarbeiten, mit dem die sogenannte Toponomastik neu geregelt wird. Dies passiert Fernab jeglicher Grundlage einer wissenschaftlichen und kulturellen Basis.

Während die Südtiroler Volkspartei SVP davon spricht, dass damit historisches Unrecht zum Gutteil wieder gut gemacht werde, kritisieren wir Freiheitlichen, dass mit dem neuen Gesetz die sogenannte Makrotoponomastik (italienischen Ortsbezeichnungen) erhalten bleibt, sowie auch ein großer Teil der Mikrotoponomastik (Flurbezeichnungen) - immer aus der Zeit des Faschismus - bleibt. Somit sollen mit der neuen Regelung die historischen, alten Ortsbezeichnungen Eingang in die offiziellen Dokumente finden! Wir Freiheitlichen sehen dagegen einen Kniefall vor den italienischen Parteien und dem Ministerpräsident Renzi: Bei den italienischen Ortsbezeichnungen aus der Faschistenära, handelt es sich, vielfach um erfundene Begriffe des Deutschenhassers und Nationalisten Ettore Tolomei.

In Rom sowie in Bozen haben die Italiener Angst, in Sachen Toponomastik den Kürzeren zu ziehen. Daher wird die Latte zur Abschaffung tolomeischer Fantasienamen immer höher angesetzt, um die „Italianità“ in Südtirol aufrecht zu erhalten. Wie schon bekannt, muss der Landtag das vom Verfassungsgericht angefochtene Landesgesetz von 2013 abändern. Die Kommission zur Feststellung der Namen im Gebrauch muss paritätisch, sprich mit gleich vielen deutschen wie italienischen Experten besetzt sein. Doch das reicht Rom nicht mehr, um festzustellen, dass ein Name nur einsprachig (deutsch) in Gebrauch ist. Dem muss die absolute Mehrheit der Mitglieder und der Sprachgruppen zustimmen. Im Klartext heißt das, dass zwei der drei Italiener ja sagen müssen. Man kann sich wohl gut vorstellen wie der Kuhhandel ausgehen wird, nämlich zu Ungunsten der historisch gewachsenen Ortsnamen.

In Sachen Ortsnamenregelung in Südtirol darf es nach meiner Meinung, nur zwei Regelungen geben: nämlich die Abschaffung der faschistischen Ortsnamendekrete und die Einführung der Prozentlösung, die auch international anerkannt ist, oder die historische Lösung. Alles andere käme einer Geschichtsverfälschung gleich und ist für Südtirol wo drei Sprachgruppen friedlich zusammenleben sehr gefährlich!

Walter Frick
Vizeparteiobmann der Freiheitlichen