Der Hausärztemangel ist zum Teil hausgemacht

Veröffentlicht am 20.02.2017
Ärztliche Grundversorgung muss in Prettau ebenso gewährleistet sein wie in Bozen

Der akute Mangel an Jungärzten und im Besonderen an Hausärzten erfüllt die Menschen mit Sorge. Die Diskussionen der letzten Tage und Wochen führten bisher zu keiner Entwarnung. Viel mehr sind vor allem Menschen in der Peripherie besorgt, die ärztliche Versorgung könnte dort eingeschränkt werden. Anscheinend haben die Verantwortungsträger die Dringlichkeit einer Kursänderung immer noch nicht erkannt. Dazu gehören Maßnahmen, die entsprechenden Anreize schaffen, dass sich Ärzte auch in der Peripherie niederlassen. Im Wipptal müssen Patienten infolge der (längst bekannten) Pensionierung eines Hausarztes einen Vertrauensarzt wählen, der seine Praxis in einer anderen Gemeinde hat. Es darf jedoch bei der medizinischen Grundversorgung keinen Unterschied geben, ob jemand in Zentren wie Bozen, Meran und Brixen oder in entlegenen Gebieten wie Prettau, Pfitsch und Langtaufers wohnt. Von einer freien Arztwahl kann sowieso keine Rede mehr sein und die Schuld dafür liegt nicht nur beim Staat, der unsinnige Obergrenzen festlegt.

Die Bevölkerung wird fast täglich mit Nachrichten versorgt, wonach es zwischen den Hausärzten und der Landesregierung Auseinandersetzungen gibt; einmal ist eine Lösung in Sicht, am Tag darauf wird ein Streik angekündigt. Die Verunsicherung ist groß.

In der gegenständlichen Angelegenheit werde ich an die Landesregierung folgende Fragen richten:

1. Welches ist der aktuelle Stand bezüglich der Verhandlungen zwischen Hausärzten und Landesregierung bzw. Sanitätsdirektion?
2. Wie viele Hausärzte fehlen derzeit in Südtirol und wie hoch ist der Bedarf für die nächsten 10 Jahre?
3. Welche konkreten Maßnahmen hat die Landesregierung bereits ergriffen, um dem Ärztemangel Herr zu werden?
4. Wie sieht es mit den vom Staat vorgeschriebenen Höchstgrenzen für eingeschriebene Patienten pro Arzt aus? Ist für Südtirol eine Ausnahmeregelung vorgesehen?
5. Gedenkt die Landesregierung sicherzustellen, dass von außen angeworbene Hausärzte die Patienten in ihrer Muttersprache bedienen?

L. Abg. Pius Leitner