Bozner Flughafen - Warum ich am 12. Juni mit NEIN stimmen werde

Veröffentlicht am 07.06.2016
Die unendliche Geschichte um den Bozner Flughafen, bisher ein Pleiten-, Pech und Pannenbetrieb, erfährt am kommenden Sonntag eine entscheidende Weichenstellung. Die Bürger entscheiden, ob weiteres Steuergeld dafür verwendet werden darf oder nicht. Mit einer Erweiterung des Flughafens soll den Südtirolern das Tor zur Welt geöffnet werden; gleichzeitig wird die Botschaft vermittelt, dass Südtirol endlich besser “erreichbar” sei. Das Argument der “Erreichbarkeit” widerlegt sich von selbst, geht doch gerade das Jahr 2015 als bisheriges Rekordjahr in die Geschichte des Tourismus ein. Umgekehrt bietet sich den Südtirolern weiterhin die Möglichkeit, die große weite Welt über andere Flughäfen zu erreichen, wobei Innsbruck und Verona vor der Haustür liegen. Bereits vor Jahren habe ich angeregt, entsprechende Zubringerdienste zu organisieren.
Das Gutachten, auf das sich die Befürworter vor allem stützen, enthält viele Hypothesen und wenig konkrete Ansatzpunkte. Ich beteilige mich an keiner Lotterie und aufgrund der mangelnden Klarheit könnte man gleich das Orakel von Delphi befragen!
Es wird verschwiegen , dass die Firma in ihrem Gutachten ausdrücklich feststellt, daß sie "keine Verantwortung, Haftung und Verpflichtung hinsichtlich der Stellungnahmen, die im Rahmen dieser Präsentation getätigt wurden, oder etwaiger Fehler (!) oder dem Unterlassen von Informationen(!)" übernimmt!  Weiter: "Besonders...gilt dies für Prognosen, Annahmen, Projektionen, Schätzungen, Vorhersagen, oder Zielvorgaben, die darin enthalten sind. Folglich darf dieses Dokument nicht als Versprechen oder Darstellung des künftigen Zustands oder der künftigen Leistung gewertet werden...".
Viele Menschen, mit denen ich letzthin geredet habe, misstrauen den Versprechungen. Warum soll nun etwas funktionieren, was bisher nie funktioniert hat – trotz wiederholter Geldspritzen aus dem Steuertopf? Wenn die Wirtschaft meint, sie könne ohne den Flughafen nicht bestehen, soll sie ihn bitte doch selber finanzieren. Eine erneute Täuschung der Südtiroler Bevölkerung hätte fatale Folgen.
Ein weiteres Problem, das gerne ausgeblendet wird, ist die Sicherheit. Nicht erst Niki Lauda hat darauf hingewiesen, dass der Bozner Flughafen für ein Anfliegen durch größerer Flugzeuge kritisch ist; bereits in der Vergangenheit haben Piloten dies bestätigt. Auch für die Menschen der zu überfliegenden Gebiete besteht ein Sicherheitsrisiko. Diese sorgen sich aber vor allem wegen des zu erwartenden Lärms und der drohenden Umweltbelastung.

Da ich keinen Nutzen für die Allgemeinheit erkennen kann, da die Berechnungen vorwiegend auf Hypothesen beruhen, da die Steuergelder für andere Projekte dringender gebraucht werden, da Südtirol im Bereich Tourismus auf Unverwechselbarkeit setzen soll, da die Menschen im Einzugsgebiet ein Recht auf Unversehrtheit haben und da unsere Naturlandschaft ebenfalls schützenswert ist,

drängen mich Herz und Verstand dazu, am kommenden Sonntag mit NEIN zu stimmen!

L. Abg. Pius Leitner