Bozen und die wilden Müllkippen

Veröffentlicht am 19.12.2016
Sofortmaßnahmen sind gefordert – Situation läuft aus dem Ruder

Sowohl im urbanen Bereich als auch im ländlichen Raum grassieren sogenannte „wilde Müllkippen“. Diese sind nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern bilden ein Risiko für die Umwelt und die Gesundheit. Giftige Stoffe oder Schwermetallrückstände werden oftmals bedenkenlos in der Landschaft zurückgelassen. Besonders in der Landeshauptstadt Bozen ist das Problem seit einiger Zeit besonders akut. Der Landtagsabgeordnete Walter Blaas machte sich bereits im Frühjahr mittels einer Landtagsanfrage ein Bild zu den wilden Müllkippen in Südtirol. Die Debatte rund um das Müllproblem der Stadt und die Müllimporte spitzt sich angesichts der wilden Müllkippen weiter zu.

Der Freiheitliche Abgeordnete wollte in seiner Anfrage Erfahrungen bringen, wie groß die jährliche durchschnittliche Menge an Müll aus wilden Müllkippen sei und ob dieser dem Müllverbrennungsofen in Bozen zugeführt werde.

Umweltlandesrat Richard Theiner erklärt in seiner Antwort einleitend, dass Müllablagerungen in Ablagerungen von Hausmüll und Ablagerungen von Sonderabfällen von Körperschaften oder Unternehmen zu unterscheiden seien. Für illegale Ablagerungen von Hausmüll seien die jeweiligen Gemeinden zuständig, insofern würden der Landesagentur für Umwelt demnach keine Daten vorliegen. Die durchschnittliche Menge an Ablagerungen von Sonderabfällen habe im Jahr 2015 in etwa 3600 Tonnen ausgemacht, so Theiner. Weiters bekräftigt der Landesrat, dass der eingesammelte illegale Müll der Müllverbrennungsanlage in Bozen zugeführt werde, sofern es sich um brennbare Abfälle handle.

Blaas wollte zudem wissen, wie viele Personen in den vergangenen drei Jahren ausfindig gemacht wurden, welche für illegale Müllablagerungen verantwortlich waren und wie hoch die verhängten Strafen ausfielen. Landesrat Theiner verweist hierbei wiederum darauf, dass die jeweiligen Gemeinden für die Ahndung und Ausstellung von Verwaltungsstrafen hinsichtlich der illegalen Ablagerung von Hausmüll zuständig seien. Für den Zeitraum 2013, 2014 und 2015 seien aber durch die Landesumweltagentur 13 Strafanzeigen und 8 Verwaltungsstrafen gegenüber Betrieben ausgestellt worden. Der Gesamtbetrag dieser Verwaltungsstrafen belaufe sich auf 3.750 Euro, gibt Theiner bekannt.

Auf Blaas‘ Frage, in welchen Bezirken und Gemeinden das Problem der wilden Müllkippen besonders akut sei, entgegnet Theiner, dass dieses Phänomen nicht territorial beschränkt werden könne, da es sämtliche Gemeinden Südtirols betreffe. Zur Bekämpfung der illegalen Müllablagerungen führen die Gemeinden und das Land Kontrollen durch, als Strafmaßnahmen dienen Verwarnungen und Verwaltungsstrafen bzw. Strafanzeigen zur Abschreckung, versichert der Umweltlandesrat.

Der Freiheitliche Landtagsabgeordnete weist darauf hin, dass sich in der jüngsten Vergangenheit die Problematik vor allem in Bozen zugespitzt habe. Für jeden ersichtlich, türmen sich Müllkippen in die Höhe. Sofortmaßnahmen seien laut Blaas gefordert, zumal die derzeitige Situation nicht weiter tragbar sei. Die fachgerechte Entsorgung des Mülls und die Erschließung der wilden Müllkippen würden den Müllverbrennungskomplex auslasten und weitere Importe überflüssig machen, folgert Walter Blaas abschließend.