Bombardierung von Dresden - dürfen sich Sieger über ethische Grundsätze hinwegsetzen?

Veröffentlicht am 15.02.2017
Objektive Bewertung fällt auch nach 72 Jahren schwer

"Die Bombardierung von Dresden vom 13. bis 15. Februar 1945 gehört zu jenen geschichtlichen Ereignissen, die noch viele Jahre danach widersprüchliche Reaktionen auslösen. Die Luftangriffe der Alliierten hatten mit Sicherheit keinen Einfluss auf den Ausgang des Krieges und waren somit militärisch nicht notwendig, sehr wohl aber ethisch fragwürdig. Egal, ob nun 25.000 oder 100.000 Menschen zu Tode kamen, es handelte sich fast ausschließlich um Opfer der Zivilbevölkerung und somit um ein Kriegsverbrechen. Vor allem den Briten ging es nicht um militärischen Erfolg, sondern um Rache - zum Schaden von unschuldigen Personen", schreibt der freiheitliche Fraktionssprecher im Landtag, Pius Leitner, in einer Stellungnahme zu den Ereignissen vor nunmehr 72 Jahren.

Wie schwer es heute noch falle, die Bombardierung von Dresden ohne ideologische Scheuklappen zu bewerten, würden markante Beispiele der letzten Jahre belegen. Besondere Aufmerksamkeit habe die Aussage jener Kandidatin zum EU-Parlament im Jahre 2014 erzielt, die auf ihre Brust die Worte gemalt habe: "Sauerkraut, Kartoffelbrei - Bomber Harris, Feuer frei". Dies sei ein eklatantes Beispiel dafür, für welche Zwecke ein bedrückendes und belastendes Ereignis der Menschheitsgeschichte herhalten müsse. Aus solchen Aussagen spreche nicht so sehr die Abneigung gegen ein Gewaltregime, sondern der Hass gegen das eigene Volk, so Leitner. 

"Nach 72 Jahren und aus der entsprechend Distanz zum Heute sollte es doch möglich sein, die geschichtlichen Ereignisse als solche zu bewerten und nicht allein mit der Brille der Sieger. Betrachtet man die Bombardierungen von Dresden und anderer deutscher Städte aus der Sicht der Betroffenen, so
können sie nur als militärisch sinnlos und als beabsichtigte Massenvernichtung gesehen werden. Dazu möchte ich den Ethiker Thomas A. Cavenaugh zitieren, der solche Angriffe als unrechtmäßige Terrorbombardements bezeichnet, bei dem das Töten von Zivilisten unmittelbares Ziel und kein unbeabsichtigter Nebeneffekt gewesen sei. Leider haben sich solche Bombardierungen auch in jüngster Zeit ereignet, weshalb Dresden eigentlich eine Lehre sein sollte. Warum redet kaum jemand von der illegitimen Bombardierung des Balkan, von Bombenangriffen im Irak usw.? Man macht es sich zu einfach, die Bombardierung von Dresden als Rechtfertigung für Nazi-Verbrechen in Erinnerung zu rufen und gleichzeitig von den eigenen Verbrechen, zumal der Gegenwart, abzulenken.", schließt Leitner.