Altkleidersammlung – auch diese Medaille hat zwei Seiten

Veröffentlicht am 15.06.2016
Was für die einen ein Geschäft ist, gräbt den anderen das Wasser ab und zwingt sie zur Flucht

Die Caritas koordiniert auch in Südtirol die Gebrauchtkleidersammlung und denkt daran, eine zentrale Sammelstelle einzurichten. Über700 Tonnen Gebrauchtkleider wurden laut Caritas im vergangenen Jahr in Südtirol gesammelt, was den Bedarf im eigenen Land um ein Vielfaches übersteigt. Was in Südtirol nicht gebraucht oder verkauft werden kann, wird über Firmen auf dem weltweiten Gebrauchtkleidermarkt zum Verkauf angeboten. Da besteht ein Netzwerk, das zu durchblicken kaum möglich ist. Das Geschäft mit der Spendenhilfe blüht.
Es mag stimmen, dass mit der Sammlung von Gebrauchtkleidern Müll vermieden wird und kostbare natürliche Ressourcen eingespart werden, ob jedoch, wie von der Südtiroler Caritas behauptet, weltweit Arbeitsplätze geschaffen werden, wage ich zu bezweifeln. Grundsätzlich werden gesammelte Altkleider eben nicht, wie viele Spender meinen, kostenlos an Bedürftige verteilt, sondern auf Märkten zum Verkauf angeboten. Während nur ein kleiner Teil bei den Bedürftigen der Spenderländer landet, bildet die für Länder der Dritten Welt vorgesehene Ware die Grundlage für einen florierenden Handel. Allein Afrika soll jährlich Altkleider für eine Milliarde Euro importieren. Gleichzeitig wird dadurch aber eine Konkurrenz zum afrikanischen Textilgewerbe gefördert, das in den vergangenen Jahren immer stärker unter Druck gerät, sodass Betriebe schließen und Arbeitsplätze vernichtet werden. Wie viele dieser Menschen als Flüchtlinge letztendlich in Europa bzw. in den Gebrauchtkleider-Spenderländern landen, kann zwar nicht beziffert werden, aber am Ende dieser Kette kann die gut gemeinte Hilfe auch kontraproduktiv sein.
Damit will ich weder die Südtiroler vom Spenden ihrer Gebrauchtkleider abhalten, noch den Idealismus der Freiwilligen schmälern, welche die Sammlungen durchführen; alle verdienen Lob und Anerkennung. Es darf aber nicht verschwiegen werden, dass auch andere mitverdienen und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

L. Abg. Pius Leitner