Almverpachtungen an Provinzfremde – ein einträglicher Kuhhandel!

Veröffentlicht am 13.09.2016
„Legalisierter Schwindel“ geht war
 
In wenigen Tagen beginnt wieder der Viehabtrieb von Südtirols Almen. Die Almbewirtschaftung hat in unserem Land nicht nur eine lange Tradition, sie ist nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftszweig. In den vergangenen Jahren wurden einerseits zwar auch Almen aufgelassen, andererseits wurden die meisten erhalten, indem man die Voraussetzung für eine zeitgemäße Bewirtschaftung geschaffen hat. Almerschließungen haben dann und wann auch zu Auseinandersetzungen zwischen Grundeigentümern, Bewirtschaftern und Verwaltern auf der einen Seite sowie Umweltschützern auf der anderen Seite geführt, insgesamt schätzt die Bevölkerung aber die Erhaltung der Almen. Viele Menschen finden auf einer Almwanderung Erholung und Ablenkung vom Alltag sowie meist auch frische landwirtschaftliche Produkte.
Als umstrittene Begleiterscheinung der Almbewirtschaftung steht seit Jahren die Verpachtung von Almen an Provinzfremde im Kreuzfeuer der Kritik. Vorwiegend werden diese Almen, im Jahr 2014 waren Almen im Ultental, in Ratschings, in Terenten, im Jaufental, In Enneberg, in Proveis und in Vahrn betroffen, von Personen aus dem oberitalienischen Raum gepachtet. Die Pächter treiben allerdings kaum eigenes Vieh auf, sie pachten die Almen fast ausschließlich zur Erlangung von EU-Prämien. Selber haben sie kaum Almen und die EU fördert jene Gebiete besonders, anscheinend mit bis zu 400 Euro und mehr pro Hektar. Die Alpungsprämie für Südtiroler, die ihre eigene Alm selber bewirtschaften, beträgt hingegen nur rund 50 Euro pro Hektar. Diese Form der Landwirtschaftspolitik stößt auf Unverständnis und erzeugt Unmut.
Um diesem Spekulationsphänomen Einhalt zu gebieten, erließ die römische EU-Zahlstelle Agea (Agenzia per le erogazioni in agricoltura) ein Rundschreiben mit dem Inhalt, dass ab 1. Jänner 2014 keine Prämien mehr für Weideflächen bezahlt werden, wenn nur fremde Tiere aufgetrieben werden. Die Praxis, große Weideflächen zu pachten, ohne sie zu bewirtschaften, nur um EU-Förderungen zu erhalten, ist damit nicht mehr zulässig. Der Antragsteller muss somit nicht mehr nur über die Fläche verfügen, sondern sie auch bewirtschaften.
Nachdem die Landesregierung nach mehrmaliger Intervention des Unterfertigten angekündigt hat, gegen diese Form der Almverpachtungen auch bei der EU intervenieren und diesen „legalisierten Schwindel“ beenden zu wollen, geben sich die Pächter aus dem oberitalienischen Raum anscheinend sehr gelassen. Demnach soll die EU an der bisherigen Praxis festhalten und es ist sogar von „ewigen“ Verträgen die Rede.
Obwohl laut einem Gerichtsurteil eine Almbewirtschaftung mit fremden Tieren untersagt ist (pascolo magro non è possibile considerare il pascolamento da parte di terzi,), wundert mich, dass der EU-Abgeordnete und ehemalige Bauernbunddirektor Dorfmann in Brüssel schläft und warum sich Landesrat Schuler nicht rührt.

L. Abg. Pius Leitner