Alle haben gewonnen? Nein, die Ortsnamen haben verloren!

Veröffentlicht am 24.02.2017
Der „Durchbruch“ ist in Wahrheit ein Dammbruch - Was ist das Gegengeschäft für diesen Handel?

„Was die SVP als Durchbruch in der Ortsnamenfrage verkündet, ist in Wahrheit ein Dammbruch und ein kulturpolitisches Waterloo. SVP und PD haben einen Kompromiss geschlossen, von dem sie hoffen, die Quadratur des Kreises geschafft zu haben. Dass dies weder in der Mathematik, noch in der Ortsnamenfrage möglich ist, haben inzwischen alle verstanden. Tatsächlich wird einer Kommission anheimgestellt, welche Namen gebräuchlich sind. Der Begriff der Gebräuchlichkeit ist dehnbar. Wie diese Kommission bestellt wird, kann man sich leicht ausmalen und das Prinzip der so genannten doppelten Mehrheit (Mehrheit der Mitglieder einer Sprachgruppe und Mehrheit der Kommission insgesamt) ist die beste Garantie dafür, dass keine italienischen Namen verschwinden, die weder einen historischen Hintergrund haben noch gebräuchlich sind. Es war ein Fehler, die Kommission paritätisch zu besetzen anstatt der Volksgruppenstärke proportional“, schreibt der freiheitliche Fraktionssprecher im Landtag, Pius Leitner, in einer Aussendung.

Das Feilschen um eine „vernünftige“ Regelung der Ortsnamen erinnere an einen politischen Kuhhandel, dessen Inhalt oder mögliche Gegengeschäft man der Öffentlichkeit allerdings vorenthalte. Anstatt Ortsnamen als Denkmäler der Sprach- und Siedlungsgeschichte zu behandeln und sich wirklich am Prinzip der Einnamigkeit zu orientieren, werde nun ein Kompromiss vorgelegt, der eher eine Scheinlösung sei. Man dürfe nicht zulassen, dass die Ortsnamen auf dem Altar einer fragwürdigen Regelung geopfert werden und der Kampf sei nun im Landtag zu führen, der im Sinne von Artikel 8, Punkt 2) allein für die Regelung der Ortsnamen zuständig sei.

„Vollkommen unverständlich und entbehrlich finde ich die Wortspende des Tiroler (!) Nationalratsabgeordneten Hermann Gahr in seiner Rolle als Obmann des parlamentarischen Südtirol-Unterausschusses. Dort herrschen auch andere Meinungen vor und Gahr sollte seine Funktion nicht parteipolitisch missbrauchen bzw. auch die kritischen Stimmen berücksichtigen. Man erkennt, dass hüben wie drüben die parteipolitische Sicht den Blick auf das Wesentliche trübt, nämlich auf die historische und kulturpolitische Dimension“, so Leitner.