70 Jahre Pariser vertrag: was weiß Südtirols Jugend über die Autonomie?

Veröffentlicht am 02.09.2016
Wenn wir Südtiroler zu wenig über die Autonomie wissen, werden wir sie Längerfristig verlieren!
Vorstellung des Beschlussantrages zur Erhebung der Geschichts- und Autonomiekenntnisse der Südtiroler Schüler



Südtirols Autonomie ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein täglicher,
immer größer werdender Kampf!

Was wissen wir Südtiroler über die Autonomie?
Schätzen wir sie noch? Kämpfen wir dafür?

In Südtirol ist es besonders wichtig, dass unsere Schüler über die Landesgeschichte Bescheid wissen. Wichtig deshalb, weil wir eine ethnische Minderheit in einem Fremden Staat sind und aufgrund dessen eine Autonomie haben.
Wenn die Südtiroler aller drei Sprachgruppen nicht wissen, was die Autonomie ist und weshalb wir sie besitzen, hat diese in Zukunft auch keinen Wert mehr für die Bevölkerung. Aber wer, wenn nicht die Südtiroler selbst, sollen die Autonomie in der Zukunft vor Rom und Brüssel schützen?

Wenn man sich manchmal mit den Landsleuten über die Geschichte oder die Autonomie unterhält, so wissen viele nicht, weshalb wir sie überhaupt haben. Heute empfindet man es als eine Selbstverständlichkeit, dass sie da, ist weil sie immer da war und für viele immer da sein wird. Man hat kein Empfinden dafür, dass die Autonomie auch in Gefahr sein kann. Ich möchte hierzu aus einem Interview mit Altlandeshauptmann Luis Durnwalder zitieren: "Achhammer hat mich gebeten, für die Ortsobmänner Vorträge über die Autonomie zu halten - und das habe ich auch gemacht. Ich denke, es war eine gute und nützliche Sache. Heute wissen junge Menschen vielfach nicht, wie es zur Autonomie gekommen ist, warum sie wichtig ist“ (FF Nr. 17/2016) Etwas später sagte Durnwalder auch: „Die ältere Generation ist ausgeschieden, die Jungen sehen die Situation anders, sehen sich nicht mehr als Verteidiger der Rechte einer Minderheit, sondern als Verwalter und Gestalter“.

Diese Feststellung des Altlandeshauptmannes trifft die Sache auf den Punkt: Wenn die Südtiroler die Autonomie als eine reine Verwaltungsangelegenheit betrachten, so wird man diese mit Sicherheit in den kommenden Jahren beschneiden, weil sie als ein Privileg in Italien angesehen wird. Wir wissen, dass der Neid der italienischen Provinzen und Regionen auf unsere Autonomie immer größer und härter wird. Das bestätigen sämtliche Parlamentarier und Politiker unseres Landes! Unsere Autonomie hat nur eine Überlebenschance, wenn die Südtiroler sie weiterhin als einen Schutzmantel für den Erhalt der deutschen und ladinischen Volksgruppe empfinden und leben, denn für diesen Zweck wurde sie erkämpft.

Wenn wir die Autonomie erhalten wollen, dann braucht Südtirol auch in Zukunft Menschen, die sie erhalten und das geht nur, wenn sie um deren Wert und Geschichte in Kenntnis sind. Es sind NUR WIR SÜDTIROLER, welche hier verteidigen können und müssen, weil sie uns zum Überleben hilft und dient. Autonomie ist Volkstumspolitik und deshalb ist Volkstumspolitik - friedliche Volkstumspolitik - auch wichtig und eine Pflicht in unserem Land. Ohne volkstumspolitisches Empfinden hat die Autonomie Südtirols keine Überlebenschance - und dies auch zu Recht. Denn gegenüber Brüssel und Rom zu sagen, wir verwalten unsere Autonomie besser wie alle anderen, ist zu wenig; verwalten können wir als normale italienische Provinz auch.

Um zu erfahren, was die künftigen Generationen über unsere Autonomie wissen, soll eine Erhebung dazu an Südtirols Schulen durchgeführt werden. Für mich müssten die Südtiroler Jugendlichen aller drei Sprachgruppen die Schulen als Vollprofis in Sachen Autonomie verlassen, aber dies ist nicht der Fall. Mir scheint, dass diesbezüglich der Südtiroler Schützenbund in seinem ehrenamtlichen Einsatz besser arbeitet. Deshalb sind in Sachen Autonomie die Landesräte für Schule und Kultur in diesem Land mehr als gefordert! Ihre Ausrichtung wird wesentlich für den Erhalt der Autonomie sein!!

Wir Freiheitlichen sind ja eine Partei, welche einen Freistaat Südtirol und eine Loslösung von Italien anstrebt. Aber wir fühlen uns auf diesem Weg auch dem Schutz der Autonomie verpflichtet, keine Frage. Ich persönlich mache mir um die Autonomie Sorgen, weil mir auf deutscher Seite die Streiter und Kenner dafür immer mehr abhandenkommen. Was mich hingegen freut, ist der Umstand, dass immer mehr Italiener im Land die Autonomie als wichtig und auch als ihre empfinden. Das ist eine gute Entwicklung der vergangenen Jahre.

Möge man am Montag bei der 70-Jahr Feier zum Pariser Vertrag auch selbstkritisch darüber nachdenken, ob das Land Südtirol genug tut, damit die Autonomie nicht nur als Selbstverständlichkeit erscheinen zu lassen.

L. Abg. Sigmar Stocker