Berufsmatura

11-10-17
Berufsmatura

Die Möglichkeit zur Erlangung der Berufsmatura in Südtirol besteht noch nicht lange. Neben dem einjährigen Lehrgang für Schüler, welche das Berufsbildungsdiplom nach vierjähriger Berufsfachschule, bzw. nach vierjähriger Lehre im dualen Ausbildungswege, erworben haben, gibt es seit diesem Jahr auch die Möglichkeit den zur Matura führenden Lehrgang in Form einer zweijährigen Lehre zu absolvieren. Dabei erhalten Lehrlinge in Südtirol erstmals die Möglichkeit, über einen Lehrvertrag einen zweijährigen berufsbegleitenden Lehrgang zu besuchen, um sich auf die staatliche Abschlussprüfung der Oberstufe vorzubereiten, ohne dafür aus dem Berufsleben aussteigen zu müssen. Dieser Lehrgang wird an der Berufsschule für Handwerk und Industrie in Bozen angeboten. Das WIFI Tirol bietet hingegen ein zusätzliches Zeitmodell des variablen zeitlichen Einstieges in verschiedene Fächer vor, welches den Teilnehmern ermöglicht, die Berufsmatura in mehreren Jahren zu absolvieren.

1. Ist das Pilotprojekt in diesem Schuljahr 2017/2018 gestartet, welches den Lehrlingen in Südtirol die Möglichkeit gibt, über einen Lehrvertrag einen zweijährigen berufsbegleitenden Lehrgang zu besuchen?
2. Wenn ja, mit wie vielen Teilnehmern ist das Pilotprojekt gestartet? Bitte detaillierte Angabe nach Lehrabschlüssen der verschiedenen Berufe.
3. Wurde in der Landesregierung in Vergangenheit bereits das Zeitmodell der Tiroler Berufsmatura mit der Möglichkeit des variablen zeitlichen Einstieges in verschiedene Fächer angedacht?
4. Wenn ja, wäre dies auch für die Südtiroler Berufsmatura eine denkbare zusätzliche Ausbildungsmöglichkeit? Wenn nein, welche Probleme würde es an der Durchführbarkeit geben?

L. Abg. . Hannes Zingerle


Antwort von Landesrat Achammer (Landesrat für deutsche Bildung und Kultur, Integration - SVP):

Sehr geehrter Kollege Zingerle,
ich darf auf die vier Fragen antworten, darf aber eines vorausschicken. Damit wird auch erkenntlich zu Frage Nr. 3, warum das zeitverzögerte oder zeitverschobene Tiroler Modell nicht möglich ist.
Die Berufsmatura nicht mit einem fünften Vollzeitjahr, so wie es jetzt schon seit einigen Jahren gebräuchlich ist, nach Berufsbildungsdiplom, sondern mit zwei berufsbegleitenden Jahren in Form eines zusätzlichen Lehrvertrages, eines weiteren Lehrvertrages nach drei- oder vierjähriger Lehre wurde aufgrund einer Abänderung der staatlichen Bestimmungen und der Anpassung der Landesbestimmungen möglich.
Voraussetzung war, dass es überhaupt einen Lehrvertrag nach Lehrabschluss noch geben kann, damit vier
Jahre nach Berufsbildungsdiplom zwei weitere Jahre zur Matura berufsbegleitend mit Lehrvertrag überhaupt
diese Vorbereitung absolviert werden kann. Das muss ich vorausschicken, damit danach auf die Frage Nr. 3
geantwortet werden kann.
Zu Fragen Nr. 1 und Nr. 2. Da würde ich, wenn Sie es mir erlauben, die Fragen zusammennehmen.
Diese zusätzliche Möglichkeit wurde mit Landesgesetz geschaffen, dass innerhalb dieser zwei Jahre die
Vorbereitung auf die Matura erfolgt. Nach Abschluss der Aufnahmeprüfung im heurigen Jahr - in diesem
Frühjahr gab es erstmals die Möglichkeit für verschiedene handwerkliche Berufe, nicht für alle, das wäre
nicht möglich gewesen, alle Lehrberufe zusammenzunehmen - haben sich insgesamt 9 Jugendliche am
Aufnahmeverfahren für den zweijährigen Lehrgang beteiligt. 7 davon haben die Prüfung bestanden, ein
Jugendlicher hat schlussendlich entschieden, in das fünfte Vollzeitjahr anstelle eines möglichen zweijährigen
berufsbegleitenden Lehrgangs einzusteigen. Das heißt, wir hätten insgesamt noch 6 Jugendliche gehabt.
Das war einfach in der Anzahl zu wenig, um das gesamte zweijährige Vorbereitungsverfahren zu starten. Es
muss aber dazugesagt werden, dass die bestandene Aufnahmeprüfung für diese Jugendlichen gültig bleibt.
Wir haben mit allen Kontakt aufgenommen und auch angekündigt, dass wir in jedem Fall bestrebt sein
werden, die Anzahl zu erhöhen und im kommenden Jahr zu starten. Diese Jugendlichen müssen aber nicht
mehr die Aufnahmeprüfung bestehen, weil sie sie schon bestanden haben. Diese bleibt gültig für einen Start,
der hoffentlich im Herbst 2018 erfolgen wird. Da werden wir auch zusätzliche Berufe mit hereinholen.
Es wurde noch nachgefragt, welche Berufe es sind. Es sind verschiedene handwerkliche Berufe. Ich
kann auch eine detaillierte Liste der verschiedenen Berufe, die zur Aufnahmeprüfung 2017 zugelassen
waren, geben und welches unser Bestreben ist, 2018 neue Berufe dazuzunehnnen.
Zur Frage Nr. 3. Das zeitverzögerte Modell. Wir haben uns in Vorbereitung dieses Modells auf
Vorarlberger Seite, auf Tiroler Seite die verschiedenen Modelle angeschaut. Die österreichischen
Bundesbestimmungen lassen es zu - wir haben im Bereich der Abschlussprüfungen der Schule staatlicher
Art nur sekundäre Gesetzgebungskompetenz -, dass zeitverzögert verschiedene Abschnitte absolviert
werden, dass beispielsweise ein Fach bereits im Vorfeld absolviert wird, die Prüfung dazu absolviert wird,
losgelöst von der gesamten Maturaprüfung und diese dann für die Matura gilt. Die staatlichen
Bestimmungen sehen vor, dass die Matura zeitgleich an allen Oberschulen des Staates stattfinden muss,
also wäre es nicht möglich, die verschiedenen Prüfungen zeitverzögert aufzusplitten, wie es beispielsweise
auch in Vorarlberg gehandhabt wird.
Das, was wir jetzt aber tun möchten, ist schrittweise bereits während der vier Lehrjahre, wenn sich ein
Jugendlicher entscheidet, danach die Matura mit diesem berufsbegleitenden Lehrgang zu absolvieren,
parallel mit einem freiwilligen Angebot sich vorzubereiten, das heißt, dass jemand während der Lehrzeit
bereits einen Vorbereitungskurs zusätzlich absolvieren kann, um sich auf die Matura vorzubereiten. Die
Prüfung kann aber nie vorgelagert werden, sondern immer zeitgleich am Ende der sechs Jahre absolviert
werden. Deshalb können wir das zeitverzögerte Modell aufgrund der staatlichen Bestimmungen nicht
umsetzen.

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